Predigt zu Auffahrt 13. Mai 2021 "Fürsprecher"

Fürsprecher (Foto: KG Walperswil-Bühl)

Liebi Gmeind
«Chönnsch nit es guets Wort für mich iilegge?», seit e jungi Frou zu ihrer Fründin, wo im e Unternehme schafft, wo grad e neui Sekretärin suecht. Die jungi Frou het sich uf die Steu beworbe und hofft, dass ihri Fründin, wo es guets Verhäutnis zu de Vorgsetzte vo dere Firma het, en Empfehlig für sie cha abgäh.
«Heb doch e chlii meh Verständnis für ihn!», bittet en Maa sini Frou, wo veruggt isch über ihre Sohn. Sie wött em Sohn e saftigi Straf gäh. De Maa versuecht ihre chlar z’mache, dass de Sohn Nachsicht und Verständnis verdient het und e zweiti Chance.
«Sigg doch nit so streng mit dir!», seit es Grosi zu sim Grosschind, wo enttüscht isch über die eigene Fehler, über sis Fehlverhaute, und wo sich seuber wött bestrafe.
Drü Biispiu us em normale Läbe, wo zeiget, dass mir mänggisch öpper bruuched, wo sich für üs iisetzt und üs hiuft. Wo bi andere Mensche en Emphehlig abgit für üs, Werbig macht für üs. Oder wo anderi Mensche besänftiget, ihri Wuet und ihre Zorn dämpft, wo verhinderet, dass mir e Straf chrieget.
Mir aui bruuched mängisch söttigi Fürsprecher. Denn im normale Läbe git’s au die, wo üs aaklaget. Wo üs verlüümdet. Wo öppis usz’setze händ an üs. Wo kei guets Haar lönd an üs. Im normale Läbe sind mir seuber mängisch üsi grösste Kritiker, sind unz’fride mit üs, tüend mängisch d’Hoffnig ufgäh für üs seuber. Vermuetlech händ mir aui scho de Kommentar müesse ghöre: «Das gschieht dir rächt!» Anderi freuet sich auso, wenn üs öppis Unglücklichs widerfahrt, und gsehnd i däm e verdienti Straf.
Oder es heisst: «Das hesch du ja gar nid verdient!», wenn die erhoffti Bestrafig i üsem Läbe nid iitrifft und mir stattdesse sogar Glück und Erfoug händ.
Die Biispiu zeiget, dass mir Mensche leider mängisch gnadelos und unbarmherzig sind mit üs und mit andere.

Ob mir verständnisvou und fürsorglich sind oder ablehnend und verurteilend, isch e Frag vo de vorhandene Liebi oder vo de fehlende Liebi. Wenn mir e Person gärn händ, sind mir parat, üs für ds Wohu vo dere Person iizsetze, mir sind parat, über Fehler überez’luege, Verständnis z’ha defür, sie z’entschuldige.
Händ mir aber e Person nid gärn, isch gnau ds Gegeteil de Fau: mir gsehnd jedes Haar i de Suppe, mir registrieret jede Fehler und verbuechet ihn uf de Negativsiite vom Konto.

Ig gloube, mir sind üs einig, dass es besser isch für üses Zämeläbe als Mensche, wenn d’Liebi ume isch, wenn mir auso über d’Fehler chönd übereluege und sie entschuldige. Das heisst auerdings nit, dass mir wäge dem ds Rächt und d’Grächtigkeit usheblet. E Richter oder e Richterin cha nit eifach es Urteil spräche ufgrund vo de vorhandene oder fehlende Liebi. Steuet mir üs emou vor, dass nach em Prinzip vo de Liebi oder Sympathie Geud- oder Gfängnisstrafe würdet usgsproche werde. Das chämti nid guet usse, das gäbti Wiuküür im höchste Grad.
Es isch i däm Zämehang interessant gseh, dass gwüssi Mensche, wo e Straftat begange händ und denn au defür bestraft worde sind, ihri Straf als grächt und richtig aalueget, obwohu sie überzüügt sind, dass Gott ihne gnädig isch und ihri Straftat vergit, wiu sie reuig sind und ihn und au ihri Opfer um Vergäbig bättet händ.

Jetz isch Gott is Spiu choh. Gwüssi Mensche, wo krimineu worde sind, gloubet auso, dass Gott ihne vergit. Das sind Mensche, wo de christliche Botschaft vom Evangelium vertrouet. Evangelium, wo mit «gueti, frohi Nachricht» übersetzt wird. D’Botschaft vo däm Gott, wo als grächt, aber au als güetig und barmherzig erläbt wird. D’Botschaft vo däm Jesus, wo gseit het, er sigg choh, um die Mensche z’sueche, wo Fehler im Läbe gmacht händ, Schuld uf sich glade händ. De Jesus, wo gseit het, er sigg choh, um grad die i d’Gmeinschaft mit Gott z’rüefe, in e Beziehig, wo prägt isch vo de Liebi. E Beziehig, wo en Neuaafang möglich macht.
De Jesus, wo aune Mensche gseit het: Händ kei Angst, sondern vertrouet: Gott het eu gärn. Er luegt nit uf euri negativi Läbensbilanz. Er erlaht eu euri Schuld.
De Jesus, wo das nid nume prediget, sondern au gläbt het. Er isch mit däne zämegsii, wo vo andere verurteilt und gmiide worde sind. Und sini Liebi het bi ihne e positivi Würkig gha, het sie zum e Neuaafang bewägt.
De Jesus, wo aber au wäg sinere Boschaft aagfiindet worde isch, missverstande, abglehnt. Und schliesslich verhaftet, aagschuldiget, verurteilt, tötet. D’Liebi vo Gott zu üs Mensche isch aber nit totzchriege gsii. Er het de Jesus lah uferstah vom Tod. Da demit het Gott düütlich gmacht, dass de Jesus rächt gha het mit sine Wort und sim Läbe.
De Jesus het sich ja mit sine Geburt mit üs Mensche solidarisiert, und er isch au nach de Überwindig vom Tod mit üs Mensche verbunde. Si Name «Gott rettet, befreit, erlöst» chriegt mit de Überwindig vom Tod sini voui Bedüütig. De Jesus chah säge: «Ig ha mit de Geburt als Mensch au ds menschliche Schicksau vom Sterbe müesse übernäh. Und jetz, mit mine Uferstehig vom Tod, chah ig de Mensche au ds göttliche Schicksau vom Läbe über-gäh.» De Jesus wirft auso für üs sis fehlerfreii Läbe, si unverdiente Tod und sis zrugggwunneni Läbe i d’Waagschal. Er isch auso üse Fürsprecher, üse Verteidiger. Nüt cha öppis ändere a de Tat-sach, dass mir Gott rächt sind, dass er üs ganz und gar liebt.
«Tue di a mi erinnere, wenn du zruggkehrt bisch i dis göttliche Riich», het de eint Verbrecher, wo neb em Jesus chrüziget worde isch, bätte. «Leg es guets Wort ii für mich!». D’Antwort vom Jesus isch wohltuend gsii: «Mach dir kei Sorge! No hüüt wirsch du mit mir im Paradies sii.» Das isch d’Autorität vom e göttliche Fürsprecher: jeglichi Aaklag wird hiifäuig, und da demit jeglichi Verurteilig es Ding vo de Unmöglichkeit. Das sind gueti Nachrichte. So guet, dass es besser nid cha werde. Amen
Pfr. Ueli Bukies

Kerstin Möri,
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