Predigt zu Pfingsten, 23. Mai 2021 «Wind-Energie»

dandelion-3416140_1920 (Foto: Comfreak pixabay)

aus dem Römerbrief, Kapitel 8
(freie Übertragung nach «The Message»)

Der Messias Jesus ist erschienen und ermöglicht uns nun ein Leben, das mit ihm verbunden ist. Damit ist eine neue Kraft in uns wirksam, der Geist des Lebens, welcher unsere eigenen inneren Widerstände überwinden kann.
So wie der Wind Dinge in der Natur bewegt, werden wir vom Geist Gottes bewegt, wenn wir uns Gott anvertrauen. Und wie der Wind die Dinge in eine bestimmte Richtung bewegt, bewegt der Geist Gottes uns so, dass es Gott gefällt.
Gott hat Jesus durch seinen Geist vom Tod erweckt; er wird auch uns einmal vom Tod erwecken, und wir werden kör-perlich so lebendig sein, wie Jesus es ist.
Nun, da wir uns aus eigener Kraft nicht dem Tod entziehen können, der Geist Gottes uns aber lebendig macht, wollen wir unser Leben von diesem Geist des Lebens bestimmen und bewegen lassen.

Ref. Gesangbuch, Lied Nr. 516

1. Wind kannst du nicht sehen,
ihn spürt nur das Ohr
flüstern oder brausen wie ein mächt’ger Chor.
2. Geist kannst du nicht sehen;
doch hör, wie er spricht
tief im Herzen Worte voller Zuversicht.
3. Wind kannst du nicht sehen,
aber, was er tut:
Felder wogen, Wellen wandern in der Flut.
4. Geist kannst du nicht sehen;
doch, wo er will sein,
weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein.
5. Hergesandt aus Welten,
die noch niemand sah,
kommt der Geist zu uns, und Gott ist selber da.
(Markus Jenny, 1983-1991
nach einem schwedischen Original)




Liebi Gmeind
Es isch sehr windig gsii i de letzte Wuche. Nid nume d’Bise het blase, sondern au de Westwind. Dusse het üs de Wind d’Chäuti so richtig aagworfe, Ig bi bim Velofahre froh gsii um mi Velohelm; e Chappe hetti’s mir eifach vom Chopf gwindet. Herrlich isch es aber gsii, de Vögu chönne zue-z’luege. D’Fauke zum Biispiu händ ziitewiis nid müesse rüettle und sind einewäg i de Luft am Ort gstande.
Interessant isch es gsii, wenn mir z’Fuess oder mit em Velo unterwegs gsii sind. Mir händ üs viu meh müesse aastrenge, wenn mir Gegewind gha händ. Handkehrum isch es herrlich gsii, de Wind im Rugge zhaa. Vo Wauperswiu uf Lyss uf em Velo mit Westwind im Rugge, oder vo Lyss uf Wauperswiu mit Bise isch dermasse ring gange, dass es eim ds Gfüehu gäh het, me sigg mit em e Elektro-Velo unterwegs. Gege- und Ruggewind händ üs öppis lah gspüre vo dere Energie, wo de Wind het. Das chah gfürchig und gfährlig sii wenn de Wind Äst vo de Bäum tuet abriisse oder ganzi Bäum entwurzlet. Mir ghöred ja immer wider Warnige, nit i de Waud z’gah oder sogar ganz dehei z’bliibe.
D’Chraft vom Wind isch auso gfürchtet, aber sie wird au gnutzt vo üs Mensche. Dört, wo es viu windet, het me früehner mit Windmühlene chönne Getreide und Ölkerne zermahle, Houz säge oder Wasser pumpe und schöpfe. Hüüt bruuched mir d’Windräder für d’Stromerzüügig. Und es git Plän, wider grossi Seguschiff z’boue für de Transport vo Frachtgüeter.
Mir Mensche tüend au Wind erzüüge, emou abgseh devo, dass es mängiisch nume «heissi Luft» isch. Mir tüend dur üses Muul d’Luft aasuuge oder umgekehrt fiin oder chräftig usseblase, -huste oder -nüüsse. Mir tüend eso es Cherzli usblase, oder aber mir versuuched, es Füür richtig i Gang zbringe, wenn mir chräftig ineblaset. Chliini Chind händ’s gärn, wenn öpper sie ganz fiin tuet aahuuche. Das chribbe-let schön uf de Huut. Als Chind händ mir üs mängisch zum Grosi, wo gmüetlich im Sessu döset het, vo hinte aagschli-che und es ganz fiin im Nacke aaghuuchet und verschreckt.

De Wind het auso Chraft, stark oder fiin, und er macht dezue no Grüüsch. Wenn’s fest windet, tuet’s dusse pfiife, wiu öppis em Wind im Weg isch und eso Luftschwingige erzüügt werdet. Mir Mensche macheds ähnlich wie de Wind und tüend mit de Bewegig vo de Luft Tön erzüüge.
E ganzi Reihe vo Musikinstrument us Holz oder us Blech funktionieret eso. I de englische Sprache heisset sie «wind instruments»; mir säget ihne Blasinstrument. I üse Dörfer git’s viu Lüüt, wo die Instrument gärn und guet spiued.
Blase und pfiife tuet’s aber au da i de Chiuche, wenn d’Orgle spiut. Früehner het’s extra e Person bruucht, wo mit eme Blasebaug d’Luft erzüügt het, wo eso die Orgel-pfiiffe zum Klinge bracht het.
Wo mir grad bi de «Windinstrument» sind, wo ohni Luft-bewegig kei Ton ussebringet, söttet mir no üs seuber er-wähne als menschliche Windinstrument. Au mir chönd pfiife - und dezue no singe. Vermuetlich erinneret mir üs no guet a de Musikunterricht, wo me üs versuecht het z’lehre, möglichst lang mit eim einzige Schnuuf z’singe, und erst denn iiz’schnuufe, wenn’s im Lied e chliini Pause gäh het. Ig stuun immer über die Sängerinne und Sänger, wo lang chönd de Ton haute ohni debii müesse z’schnuufe.
Mir nutzed auso d’Luftbewegig zum Pfiife und Singe, aber au zum Rede, und zwar mit ganz fiine Luftbewegige. Aber au wenn’s no so fiin isch, versprüehed mir au denn no es bitzeli vo üse Mundflüssigkeit. Wäge däm träged mir ja au aui Maske, wo die ultrafiine Tröpfli uffanget, wo mir bim Rede und Singe us üsem Muul blaset.

Und jetzt zletzt no es Wichtigst: ohni Luftbewegig chönd mir nid pfiife, singe, rede, aber vor aum au nid läbe. Ds erste, wo mir mached, wenn e Person ohni Regig dasitzt, isch zluege, ob die Person no schnuufet. Schnuufe oder atme heisst läbe. Sofort nach de Geburt müend mir üse erste Schnuuf mache, um eso eigeständig chönne z’läbe. Schnuu-fend gönd mir durch’s Läbe bis zue üsem letzte Schnuuf.

Am Aafang vo de Bible wird verzeut, Gott hegi em Mensch de Läbensschnuuf i d’Nase blase. Die Art vo «Mund zu Nase-Beatmig» isch aber en anderi gsii, wie mir sie chennet. Die göttlichi Aktion vom Iineblase oder -huuche bedüütet ds’Läbigmache an sich. En liechte Chlapf uf de Rugge, wie das d’Hebamme bim e Säugling grad nach de Geburt macht für ds Atme i Gang zsetze, wäri dört am Aafang nutzlos gsii. Es isch nid ums chönne Schnuufe gange, sondern ums Läbigwerde. So heisst’s denn au a andere Steue i de Bible, dass üse Läbenshuuch zu Gott zruggchehrt, wenn mir üse letzt Schnuuf gmacht händ.

Möglicherwiis isch mit däm Biud vom göttliche Iinehuuche oder -blase aber no meh gmeint. Es macht Sinn, das au so z’verstah, dass Gott em Mensch ds Läbe gäh het im Sinn vom e Beziehigsverhäutnis zu sich seuber. «Läbe» oder «Läbigsii» heisst i de Bible im tüüfe Sinn «i Beziehig zu Gott stah». Handkehrum cha e Mensch als «tot» bezeichnet werde, wenn d’Beziehig zu Gott abbroche, trennt isch. Mir chönd also «tot» sii, au wenn mir no läbet. Das isch ja unter üs Mensche au eso. Wenn sich Mensche so usenandgläbt oder zerstritte händ, dass sie zue enand säget: «Du bisch für mi gstorbe», denn läbet sie tatsächlich eso, als wäri die anderi Person tot. Es anders Biispiu isch üse Chörper: mir chönd (über-) läbe, au wenn en Teil vo üsem Chörper ab-gstorbe isch, z.B. wenn üs e Fuss het müesse amputiert werde. Vo daher wird die Vorsteuig verständlicher, dass en Mensch cha (wiiter-) läbe au mit ere abgstorbene Beziehig zu Gott, unsensibel und unempfänglich für ihn.

Wo de Jesus i die Wäut choh isch, het er durch sine Gege-wart Mensche chönne mit inenäh in e engi Beziehig zu Gott. «Niemer het Gott je gseh; aber sin einzige Sohn het Gott ganz nöch anebracht zu üs», heisst’s im Johannes-Evangelium. De Jesus het denn devo gredt, dass d’Beziehig zu Gott uf engi Art chönni wiitergah, au wenn er nüm werdi da sii. Er het devo gredt, dass Gott si Geist werdi schigge, wo d’Roue vom Gott nöchbringe werdi übernäh.
De Geist vo Gott wird i de Bible unterschiedlich beschribe: mit Wind, Huuch, Atem, aber au Chraft. Er wird gnennt als Träger vom Läbe, vo de Hoffnig, vom Trost, vom Biistand, als dä, wo überzüügt, ufdeckt, veränderet. Da demit macht er all das, wo mir am Aafang vo de Predigt über de Wind gseit händ, über d’Luft und ihre Bewegig, über de Schnuuf. Mir händ gseh, dass de Wind en enormi Chraft chah ha, en Energie, wo bewegt. Aber de Wind macht i sinere Form als ganz fiini Luftbewegig au d’Kommunikation möglich; die ungsprocheni über d’Grüüsch und d’Tön; die gsprocheni über ds Rede. Üses Singe isch e ganzheiticheri Kommuni-kation: mir verbindet ds Gsprochene mit em Ungsprochene. E gfühlsmässigi, seelischi Komponente schwingt mit i de Musig und ihrne Melodie und (Dis-) Harmonie.

Mir händ neb de Chraft und de Kommunikation als Uswür-kige vom Wind au no gredt vo üsem Schnuuf, vom erste und vom letzte als Zeiche vom Läbe. Das Biud chönnt mir au guet überträge uf de Geist vo Gott als en Geist vom Läbe. I au däm zeigt d’Fähigkeit vo de Kommunikation, dass de Geist vo Gott nid eifach nume en unpersönlichi Chraft isch.
No öppis händ mir über de Wind gseit, nämli, dass mir ihn chönd gspüre, dass mir’s gsehnd oder fühlet, wenn er ume isch. Das giut au für de Geist vo Gott: mir chönd gspüre, wenn er ume isch – oder au nid. Wie i de Natur git’s au im geistliche Läbe, i de Beziehig mit Gott, spürbari Wind-bewegige, aber au Windstiui.
Und wie mit em Wind chönd mir ds Würke vom Geist vo Gott nit organisiere. D’Matrose uf eme Seguschiff chönd nid bewürke, dass de Wind blast, wenn d’Segu schlaff abe-hanget. Eso chönd au mir nid de Geist vo Gott anepfiife.
De Jesus het de Mensche gseit, sie söuet Gott bitte um si Geist, und sie söuet warte und erwarte, dass er zu ihne chunnt. Das muess nid so spektakulär sii wie am Pfingst-fest. So het au de Prophet Elia d’Gegewart vo Gott nid ime Sturm, sondern im e fiini Lüftli erläbt.
D’Chraft zum Dürrehebe, hoffnigsvoui, tröstlichi, klärendi, versöhnlichi Gedanke, en Überzügig, dass mir öppis richtig gmacht händ, au wenn mir aazwiiflet werdet, aber au ds Überzüügtwerde, dass mir öppis lätz gmacht händ und üs müesstet entschuldige; e Zueversicht, dass d’Zuekunft mit Gott für üs gwünnbringend isch, au wenn üs hie und jetz Sache entgleitet; e Dankbarkeit, Zfrideheit, d’Freud am Läbe, d’Liebi zu Mensche und zu Gott: i dene ehnder liis-lige Zwischetön i üsem hüüfig lärmige Alltag isch de Geist vo Gott vermuetlich am eheste z’ghöre und z’gspüre. Amen
Mit beste Grüess und eme härzliche „B’hüet nech Gott,
Pfr. U. Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 24.05.2021     Besuche: 159 Monat
 
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