Predigt vom 18. April

gebratener Fisch <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;KG&nbsp;Walperswil)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>16134</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

«Vertrauen geht durch den Magen»


Aus dem Lukas-Evangelium Kapitel 24
Zwei Männer, die zum Kreis der Jünger von Jesus gehörten, waren am Morgen von Jerusalem zum Dorf Emmaus gegangen. Am Abend bei ihrer Rückkehr erzählten sie den anderen Jüngern, dass sie unterwegs den auferstandenen Jesus getroffen und ihn aber erst erkannt hatten, als er beim Abendessen das Brot brach und an sie austeilte.
Während die beiden noch erzählten, stand plötzlich der Herr Jesus selbst mitten unter ihnen allen. Er grüsste sie mit den Worten: »Frieden sei mit euch!«
Sie erschraken und fürchteten sich; denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Aber er sagte: »Warum seid ihr so er-schrocken? Warum kommen euch solche Gedanken?
Schaut mich doch an, meine Hände, meine Füsse, dann erkennt ihr, dass ich es wirklich bin! Fasst mich an und überzeugt euch; ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen wie ich!«
Während er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füsse. Als sie es in ihrer Freude und Verwunderung noch immer nicht fassen konnten, fragte er: »Habt ihr etwas zu essen hier?« Da gaben sie ihm ein Stück gebratenen Fisch, und er nahm und ass den Fisch vor ihren Augen.
Dann sagte er zu ihnen: »Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; als ich sagte: ›Alles, was in den Heiligen Schriften über mich geschrie-ben ist, muss sich erfüllen.‹«
Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie verstehen konnten, und sagte zu ihnen: »Es ist doch ge-schrieben worden, dass der Messias leiden und sterben muss, aber drei Tage danach von den Toten auferstehen wird.»

Liebi Gmeind
Liebi geit dur de Mage. Dä Satz hei mir denk’ aui scho ghört. Vermuetlich würdet mir dere Ussag au zuestimme. Üs chömed villecht üsi (Gross-) Müettere i d’Sinn wo üs immer wider emou verwöhnt hei mit eme guete Ässe.
Oder mir erinneret üs a d’Empfehlige, wo früehner die junge Froue mit uf de Wäg chriegt hei: sie söttet guet choche, um eso die junge interessante Manne chönne positiv stimme und d’Liebi entfache. Hüüt isch es au umgekehrt: es git Manne, wo mit ihrne Chuchi-Chünst e positivi Würkig bi interssante junge Dame uslöset.
I däm Zämehang dänket mir villecht au a d’Zweiertisch i de Restaurants, wo nit nume d’Härzli und d’Cherzli, sondern au es guets Ässe zum e romantische Ambiente biitreit.
Aber mir findet au Biispiu im religiöse Beriich. Da sind in viune Religione Opfer bracht worde oder werdet au hüüt no bracht. Mit Ässensgabe, wo „wohlriechend“ sind, auso es guets Gschmäckli händ, sölled d’Götter gnädig gstimmt werde. D’Liebi geit au da dur de Mage, wenn au ehnder im übertreite Sinn.
I de Bible, im aute oder erste Testament, wird d’Güeti vo Gott biudlich als öppis Essbars, Gniessbars dargsteut: „Gchüschtet’s und dihr werdet gseh, dass üse Gott güetig isch“, heisst’s i de Psaume. Das bedüütet: „Probieret’s us und entdecket eso d’Liebi vo Gott.“ I de Beziehig mit Gott git’s auso öppis zum Erläbe, d’Gmeinschaft mit Gott isch erfahrigs- und erläbnisorientiert, wo sich au körperlich uswürkt.
Dä Gedanke wird ufgnah im zweite oder neue Testament im 1. Petrus-Brief, wo’s heisst: „Dihr heit gchüschtet, dass Gott güetig isch.“ D’Botschaft vom Evangelium, ds Wort vo Gott, wird vergliche mit de Muettermiuch, wo es nöi gebores Chind begierig und vou Vertroue trinkt. „Suuget iine so viu wie dihr möget höische!“, chönnt me au säge.

Jetz isch aber hüüt nit „Liebi geit dur de Mage“ ds Thema, sondern „Vertroue geit dur de Mage“. Die Ussag isch ver-muetlich weniger oder gar nit glöufig. Ig cha mi uf au Fäu nit erinnere, dä Satz scho emou eso ghört z’haa. Isch die Ussag deshaub weniger wahr? Meh dezue spöter i de Pre-digt und bim Fiire vom Abigmahl.
Liebi Gmeind
I üsem Zweipersone-Huushaut bin ig i de Regle zueständig für de Z’morge. Und wiu üsi Chuchi im Erdgeschoss isch, ds Schlaf- und ds Badzimmer aber im erste Stock, cha ig de Zmorge unbeobachtet vorbereite. Ig tue denn es Glas mit Orange-Jus füue, und mache au s’Chännli Kafi für mini Frou. Es wär auso für mi nit schwierig, minere Frou es paar KO-Tropfe oder sogar Schlimmers z’verabreiche, ohni dass sie’s würd merke.
Tüend mer doch emou schneu überlegge, wo dass mir überau ässet und trinket, ohni gnau chönne z’beobachte, was da i üsi Nahrig chönnt inegschmugglet werde. Isch es nit eigetlich verwunderlich, dass de Usdruck „Vertroue geit dur de Mage!“ nit hüüfiger bruucht wird?
Vermuetlich chennet mir aui e Gschicht oder es Määrli, wo e söttigs Vertroue missbruucht wird. Oder wo nach em Sprichwort ghandlet wird: „Vertroue ist guet, Kontrolle isch besser.“ Gschichte auso, wo’s no de Bruef vom Vor-choster und vom Mundschenk gäh het. Gschichte, wo aber au die mänggisch ds Vertroue, wo me ihne ggä het, miss-bruucht händ. Und wo denn en Chönig oder e Militärchef während oder churz nach ere Mahlziit an ere Vergiftig gstorbe isch.
I de Bible händ mir au e söttigi Gschicht: da tuet en Pharao im aute Ägypte si oberste Mundschenk is Gfängnis werfe, tuet ihn aber spöter wider begnadige.
Hüüt vertroued viui eme so genannte Sommelier/ère, auso eine/eini, wo Wii testet und bewertet. Und sie choufet nume die Wii, wo meh als 90 Pünkt chriegt händ. Etlichi gönd us-wärts nume dört gah ässe, wo d’Spezialiste vo de Michelin oder Gault-Millau ds Ässe und ds Ambiente pprüft und mit möglichst viune Pünkt oder Stärn bewertet händ. Ds fäh-lendi Vertroue i d’Winzer und i d’Chuchi-Chefs wird er-setzt dur ds Vertroue i d’Experte, wo prüefet und kontrol-lieret.
Mir gsehnd auso, dass mir hüüfig nit eifach nume blind vertroued. Üses Vertroue muess gwunne werde, muess wachse. Hüüfig tüend mir am Aafang gründlich prüefe, bevor mir chönd vertroue, und je meh dass ds Vertroue wachst, umso weniger tüend mir denn no kontrolliere.

Was isch aber, wenn ds Läbe üs nid immer so viu Ziit laht und wenn sich d’Möglichkeite nid widerholet, um zerst emou chönne zprüefe und ds Vertroue lah z’entstah und nachisnach lah z’wachse?
Was, wenn mir plötzlich is chaute Wasser gworfe werdet?
I üsem Läbe git’s ja immer wider au Überraschige: Ereig-nis, wo mir nit planed oder vorusgseh händ. Gwüssi Sache sind denn für üs so unerwartet, überraschend, dass mir zerst e chlii Ziit bruuched zum Verdoue, um aagmesse chönne z’reagiere und denn au z’vertroue.
Da hets zum Biispiu die, wo siit langem ihres Vermöge de Credit Suisse aavertrout händ, demit d’CS guet luegt, dass ds Vermöge chah wachse. Und denn tuet d’CS plötzlich en Milliardeverlust bekannt gäh. „Das cha doch nit wahr sii! Wie isch das möglich?“
Oder da isch es Päärli, wo siit 15 Jahr es Chind wett über-choh, und wo inzwüsche de Chinderwunsch het ufgäh. Und wo denn d’Frou plötzlich e Veränderig gspürt und en Test macht. „Ich es würklich wahr?“, fröget denn viui, wo vom positive Test-Resultat erfahred.
Oder da isch e Person, wo ds ganz Läbe lang Lotto spiut het. Wo scho hi und wider e chli öppis gwunne het, aber nüt veruggts. Und denn einisch macht die Person en Sechser im Lotto. „Ungloublich!“

Es git Lüüt, die säget i so überraschende Momänt: „Tue mi emou zwicke, damit ig gspür, ob ig tue tröume oder nit!“
„Tüend mi emou zwicke!“ Nit grad das, aber öppis Ähn-lichs het de Jesus zue sine Jünger gseit, wo er ihne es vöuig überraschends Bsüechli gmacht het, und zwar im dopplete Sinn überraschend. Er isch zum eine ohni Voraakündigung ufchrüzt bi ihne, und zum andere isch er eifach da gstande ime bschlossene Ruum. Kei Türe oder Fenster isch ufgan-ge, und er isch au nit hinter eme Vorhang fürechoh oder us eme Chleiderchaste chletteret. Ghörig Angst und Schrecke het er ihne da demit iigjagt, und ig gloub, jedi und jede vo üs hetti ähnlich reagiert. „Spinn ig, gsehnd ig plötzlich Gspenster?“, händ sie dänkt.
Deshaub het de Jesus zu ihne gseit: „Lueget, ig stand da mit mine beide Bei uf em Bode, und lueget au mini Ärm und Händ. Chömed mi gah aalänge und berüehre, damit ihr gsehnd, dass ig kei Gspenst bi.“
D’Jünger sind aber wiiters eifach dagstande, mit grosse Ouge und offene Müüler, vo sich us unfähig, sich z’bwege. De Jesus het en Wäg müesse finde, um sie us dere Starri chönne ussezhole. Und er macht öppis ganz Eifachs: er spricht ihri Gastfründschaft aa. „Händ ihr öppis z’ässe?“, fragt er sie.
Das erinneret mich an en Ratschlag, wo en Professor üs Studierende im e Seminar zum Thema Truurgspröch gäh het. „Wenn dihr zu de Lüüt gönd und gspüret, dass die fast starr sind in ihrer Truur, denn fröget sie, ob sie eu en Kaffi oder es Glas Wasser chönnt bringe. Wenn dihr d’Lüüt bittet, öppis z’tue, cha das d’Stimmig uflockere.“ Ig ha’s tatsächlich erläbt, dass dur en Kaffi oder es Wasser, wo ig
i mi Mage abeglehrt ha, d’Stimmig en anderi worde isch. D’Mensche händ chönne uftue und vertroue, dass ds Truur-gspröch guet chunnt und guet tuet.

D’Starri vo de Jünger vom Jesus isch e Mischig us Truur und Enttüschig, wo no nachwürket, aber au us unglöubigem Stuune und nit fassbarer Fröid. «Ig bi kei Geist», seit de Jesus zu ihne, und er zeigt’s ihne au, i däm dass er äs Stück Fisch tuet ässe. Dä Fisch, wo bi ihm dur de Mage gaht, tuet ds Vertroue vo sine Jünger wecke und lah wachse. Und eso chah er es Gspröch mit ihne füehre, wo als es Truurgspröch beginnt, wo sich denn aber zum e Fröidegspröch wandlet, wiu är ja im Tod bliibe isch, sondern de Tod überwunde het.

Im Gegesatz zu de Jünger vom Jesus hei mir hüüt villecht de Nachteil, dass mir söttet gloube, vertroue, ohni dass mir’s gseh und miterläbt händ. Mir werdet dur das aber au nid eifach is chaute Wasser gworfe. Mir hei viu Ziit zum Verdoue, bevor dass mir chönnt vertroue.
Und mir händ immer wider d’Möglichkeit vom Chüste, damit mir ds Verdoue und ds Vertroue chönnt verbinde.
D Silja Walter, Nonne und Schriftstellerin, het in ihrem letzte Tagebuech churz vor ihrem Tod vo dere Erfahrig brichtet: „Liebe aus Gott bin ich, soweit ich aus Gott bin, soweit ich heute morgen das Brot erhalten habe und damit das ewige Leben.“
Mir chönnt’s erläbe, dass d’Liebi vo Gott und ds Vertroue i Gott buchstäblich und im übertreite Sinn dur üse Mage gönd. Amen

Mit beste Grüess und eme härzliche „B’hüet nech Gott,
Pfr. U. Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 28.04.2021     Besuche: 12 heute, 63 Monat
 
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