Predigt zum 28. März 2021

Jesus auf Esel_2 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;KG&nbsp;Walperswil)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>16034</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

«Auf einem ausgeliehenen jungen Esel»

Sacharja Kapitel 9, Vers 9

Freue dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Leute von Jerusa-lem! Seht, euer König kommt zu euch! Er ist gerecht vor Gott, und er bringt die Rettung. Er ist demütig und reitet auf einem Fohlen, dem männlichen Jungtier einer Eselin.
Aus dem Markus-Evangelium Kapitel 11
Jesus war mit seinen Jüngern inzwischen in die Nähe von Jerusalem gekommen. Er schickte zwei Jünger voraus und sagte ihnen: «Im Dorf vor uns werdet ihr einen jungen Esel finden, auf dem noch nie jemand geritten ist. Bindet ihn los und bringt ihn her!»
Die Jünger brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel auf das Tier, und er setzte sich darauf. Auf seinem Weg breiteten viele Leute ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere legten Zweige auf den Weg, die sie von Bäumen auf den Feldern abgerissen hatten. Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: »Gelobt sei Gott, und gepriesen sei, der in seinem Auftrag kommt!
Gesegnet sei das Königreich unseres Vorfahren David, das nun kommt! Gelobt sei Gott hoch im Himmel!«
So zog Jesus in Jerusalem ein.
Ref. Gesangbuch, Lied Nr. 363

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich an Rat.

2. Er ist gerecht, ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit.
All unsre Not zum End er bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Heiland gross von Tat.

3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Menschen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.
(Georg Weissel, 1623 – 1642)
Liebi Gmeind
Viu, viu Lüüt us em ganze Land sind unterwägs uf Jerusa-lem. Als Piuger wänd sie dört ds Passahfest fiire, wänd sich erinnere a d’Befreiig vo ihrne Vorfahre us de Sklaverei im Land Ägypte. Sie wänd ihres Vertraue und ihri Hoffnig
erneuere, dass Gott sie emol wider wird befreie, und zwar vom Joch vo de römische Herrschaft, aber denn au vo aune eigene Verhautenswiis, wo dezue füehret, dass sie als ein-zelni Mensche und im familiäre, gsellschaftliche Mitenand iigschränkt läbet und unter ihrem Potenzial bliibet.
Viu Lüüt marschieret also i Richtig Jerusalem. Eine isch debii, wo d’Idee het, er chönnti ja ds letzti Stück riite. Und er organisiert sich en junge Esu, wo vor ihm no niemer bruucht het zum druf riite. Dä, wo d’Idee vom „i d’Stadt riite“ het, isch de Jesus, und er löst demit e Reaktion us unter au dene Piuger. Zerst emol bi dene, wo immer mit ihm zäme sind, aber denn au bi viune andere, vermuetlich vor auem bi dene, wo us Galiläa chömed und de Jesus chennet, wo sini Wunder und Predigte erläbt händ.
Viui vo ihne wüssed: e Person, wo uf eme bisher unbe-nutzte Esu riitet und eso i d’Hauptstadt iizieht, muess fast en Chönig oder en Chönigsaawärter sii. Aber, hoffet sie jetz würklich, dass das mit em Jesus tatsächlich de Fau isch? Ihri Freud, nach em e lange, zum Teil mehrtägige Fuss-marsch endlich nöch am Ziu zsii, ds Träge und Schwenke vo Palmzwiig, ds Singe vo Psalme, -- chriegt das plötzlich für sie e tüüferi Bedüütig?
Einigi tüend ihri Obergwänder abziehe und wie en rote Teppich vor em Jesus uslegge, anderi stönd Spalier mit ihr-ne Palmzwiige, und me singt, rüeft Abschnitt us de Psalme, wo Bezug nehmet uf d’Herrschaft vo Gott und uf die Art, wie die göttlichi Herrschaft da uf de Erde sichtbar wird.
Me erinneret sich a de David, en Chönig nach em Härz vo Gott, und a die Prophezeiig, dass d’Chönigsherrschaft vom David wärdi wiitergah über sini Nachkomme. Chönnt’s also sii, dass jetz mit em Jesus, wo uf em e Esu i d’Stadt riitet, d’Herrschaft vo Gott endlich wider chunnt und eso ds Chönigtum vom David erneueret wird? Chämti da demit au die ersehnti Befreiig vo de römische Herrschaft und vom Chönigtum vom Herodes, wo ja nid als de Chönig nach em Wiue vo Gott aagluegt wird?
Isch de Jesus tatsächlich de vo Gott gesandti Chönig und Heilsbringer? So, wie’s vor langer Ziit de Sacharja in ere Prophezeiig voruusgseit het: „Heb Freud, du Stadt Jerusa-lem, und jublet, aui Bewohner, eure Chönig chunnt zu eu! Er bringt Grechtigkeit, Gott isch mit ihm. Demütig isch er und zeigt’s, i däm dass er uf em e Esu riitet. D’Ross und aus andere Material, wo für de Chrieg bruucht wird, wird er vernichte, und er wird Fride stifte unter aune Vöuker.“
Isch de Jesus de vo Gott versprocheni Chönig und Heils-bringer? Oder isch er en Prophet wie scho anderi, nid meh und nid weniger? Und wiu er us de Provinz Gäliläa chunnt, isch er en regionale Vouksheud, wo die eifache gäliläische Piuger stouz tüend präsentiere bi ihrem Iizug i d’Houpt-stadt, so im Stiu: „Lueget, mir händ au öppis z’büüte!“
De Jesus zieht uf au Fäu, begleitet vom Jubel vo dere fröh-lichi Menge vo de Piuger, z’Jerusalem ii. Zmittst i dere Mengi bliibt sini Handlig für aui andere unuffäuig bis un-verständlich. Die römische Soldate, wo süsch schneu emol e verdächtigi oder ufständische Bewegig grad scho im Keim ersticket, bemerket das Ganzi entweder nit oder heget kei Verdacht. Und d’Bewohner vo Jerusalem chrieged’s zwar mit, lönd sich aber nit gross mitriisse, händ vermuet--lich so n es Ereignis nit erwartet, lueget ds Ganzi ehnder emol abwartend oder sogar misstrauisch aa.
Wo d’Menge vo de Piuger mit em Jesus zmitts drin denn schliesslich i de Stadt aachunnt, schiint ds Spektakel schneu emou verbii zsii und sich wie vo allei ufzlöse. D’Piuger verteiled sich die ganzi Stadt und Gegend. Die, wo uf de grossi Moment vo de Befreiig hoffed, erwartet das Ereignis sowieso erst e paar Täg später am Passahfest seuber. So chah de Jesus am Abed vo dem Tag, wo im Lauf vo de Ziit de Name Palmsonntig chriegt het, ohni grossi Beachtig i de Tempu gah und sich dört en Iidruck vom Triibe verschaffe.
So, wie’s die vier Evangelie brichtet, isch es a däm Tag bi aller Unchlarheit im Vouk em Jesus chlar gsii, dass er als de Chönig vo Israel, als de vo Gott gsandti Messias, z’Jeru-salem tuet iiziehe. Sini Jünger händ das erst spöter, nach sinere Uferstehig, so richtig verstande.
Und mir? Was seit üs das Ganzi? Wozu chan es üs ermue-tige, animiere, de Jesus, wo uf em e Esu riitet und friedlich i d’Hauptstadt iizieht?
Mir chunnt de Papst Franziskus in Sinn, wo sich im e chliine Fiat laht chauffiere, zmittst i dene protzige Staats-karosse, dene Bentleys, Laybachs, Rolls Royces, Mercedes, oder wie sie süsch no heisset. De Papst Franziskus, wo ganz bewusst uf üssere Prunk und Aasehe verzichtet, wo bewusst wott bescheide daherchoh. Er het Rächt: mir, wo em Jesus nachfolget, sötted nit uf Pomp, Macht, Gwaut und Iischüch-terig baue.
De Papst Franziskus scheut sich zum Biispiu au nit, d’Ver-breitig und de Handu vo Kriegsmaterial azprangere. Er nennt au muetig de Grund, warum dass es trotzdäm gmacht wird, bim Name: es gaht letztlich um’s Geldverdiene.
So werdet also Waffe ghandlet, und Soldate schüsset uf die eigene Landslüüt, wo friedlich dagege protestieret, dass ds Militär wiukürlich d’Macht mit Gwaut a sich grisse händ.
Es werdet hüüt Waffe verkauft und gratet immer no relativ problemlos i d’Händ vo Mensche, wo hasserfüut oder süsch irgedwie gstört sind und denn ihri Mitmensche wahllos tötet und verletzed.
Das zeigt, dass de Jesus, wo friedlich uf em e Esu z’Jerusa-lem iizoge isch, die Prophezeiig vom Sacharja nit ganz erfüut het. Üs wird brichtet, dass er Grechtigkeit bracht und widerhergsteut het. Grechtigkeit i däm Sinn, dass mir Mensche mit üse meh oder weniger „chrume Gschichte“ i üsem Läbeslauf gliichwohu „grad“ vor Gott chönd dastah. Grechtigkeit als es gschenkts „rächt sii“ i de Auge vo Gott.
Aber de zweiti Teil vo de Voruusschau vom Sacharja isch leider no offe: ds Kriegsmaterial isch no nid abgschafft, de Fride zwüsche de Vöuker no nid hergsteut. Für d’Erfüuig vo däm Teil hettet d’Bewohner vo de Hauptstadt Jerusa-lem de Jesus als ihre Chönig müesse empfange.
So laht de Teil no uf sich warte. Mensche riitet immer no uf em Rugge vo andere ume, nutzet sie us, missbruuched sie, und das überau, leider au i de Chiulche. Au mir werdet no enttüscht vo andere Mensche, enttüschet anderi. Und letzt-lich isch es enttüüschend, dass mir de Überfluss vo üse Ärde nit besser chönd ufteile, demit aui gnueg händ. Üses Vertraue i Gott, i anderi Mensche und au i üs seuber wird eso immer wider erschütteret und uf d’Prob gsteut.
Aber üsi Umständ sind nid hoffnigslos. Mir händ e Bezugs-person für üses Vertraue: dä, wo uf eme Esu z’Jerusalem iizoge isch. Ihm cha me nüt vorwärfe. Er het niemer miss-bruucht, plaget, abegmacht. Er het nid zrugggschlage, sich nid gwehrt. Er het sich verachte und verspotte lah, ohni mit Gege-Verachtig und -spott zreagiere. Und gliichwohu het er sich i au dem nid duggt. Er isch grad anegstande und stah bliibe vor dene, wo d’Macht gha und usgnützt händ. Eso het er üs in Würde de Wäg vom Fride vorgläbt und zzeigt. De Wäg vom Widerstand, wo ds Guete em Böse widerstaht und ds überwindet.
Vom Jesus und sim Ritt uf em e Esu chönd mir einiges lär-ne. Au mir müend hie und wider üse Wäg ziustrebig unter de Füess näh. Und „trotzig“ im Sinn, dass wir en unbeirrt gönd und Dinge tüend, au wenn mir da debii missverstande werdet, nid beachtet oder sogar uf Widerstand stossed.
De Jesus het gwüsst, dass er sini Mission nid ganz wird chönne erfüue. Aber er zieht friedlich z’Jerusalem ii, au wenn er weiss, dass die grossi Mengi ihn nid als Chönig wird empfange. Dass einigi Lüüt ihn höchstens als Vor-zeigeobjekt missbruuchet, dass anderi fixi Erwartige händ, wo n är wird enttüüsche.
Palmsonntig macht üs bewusst, dass au mir no Piuger sind, z’tüüfst im Innere nid sesshaft, sondern unterwegs. Dass üsi Sehnsucht nach ere grächte Wäut, wo aui gnueg händ und froh chönd läbe, da nid in Erfüuig gaht. Dass üsi Heimat nid uf dere Ärde isch, sondern bi Gott. Aber dä, wo uf em Esu gritte isch als Zeiche vo de Demut und Sanftmut, het üs versproche, mit üs zsii. Är ermuetiget üs als Piuger, wo i dere Wäut läbet, aber nid vo dere Wäut sind, au immer wider ds Fest vo de Befreiig fiire. Er het üs ds Brot und de Wii als Zeiche gäh. Und durch si Tod und sini Uferstehig het das Fest vo de Befreiig für üs a Tüüfi und a Hoffnigs-Chraft gwunne.
So singet mir „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“, und „O Wohl dem Land, o Wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König zieht ein.“, und lueget da debii vou Dank und Erwartig zrugg und voruus.

Amen

Besti Grüess und es härzlichs „B’hüet nech Gott,

Pfr. U. Bukies
Bereitgestellt: 06.04.2021     Besuche: 6 heute, 60 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch