Predigt zu Karfreitag 02. April 2021

Karfreitag <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;KG&nbsp;Walperswil)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>16033</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

«Für uns ein König?!»

aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 18 & 19

Die, die Jesus verhört hatten, brachten ihn nun zum Amts-sitz des römischen Gouverneurs Pilatus. Dieser liess Jesus vorführen. »Bist du der König der Juden?«, fragte er ihn.
Jesus antwortete: »Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, dann hätten meine Diener für mich gekämpft, damit ich nicht der jüdischen Obrigkeit in die Hände falle. Nun ist aber mein Reich nicht von dieser Erde.«
Da sagte Pilatus zu ihm: »Dann bist du also tatsächlich ein König?« Jesus erwiderte: »Du hast Recht – ich bin ein König. Ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeuge zu sein; dazu bin ich geboren. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit steht, hört auf meine Stimme.« –
»Wahrheit?«, sagte Pilatus zu ihm. »Was ist Wahrheit?«, und er brach damit das Verhör ab. --
Nachdem Pilatus mehrere Versuche unternommen hatte, Jesus freizulassen, sagte zu den führenden Juden: »Seht da, euer König!« Doch sie schrien: »Weg mit ihm! Weg mit ihm! Lass ihn kreuzigen!« – »Euren König soll ich kreuzigen lassen?«, fragte Pilatus. »Wir haben keinen König ausser dem Kaiser!«, entgegne-ten die führenden Priester.
Da gab Pilatus ihrer Forderung nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. Er liess ein Schild am Kreuz anbringen, das die Aufschrift trug: »Jesus von Nazaret, König der Juden.«.

Ref. Gesangbuch, Lied Nr. 449

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.
Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen.
Dies schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder;
es stürzt mich tief und es erhöht mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.
Wann immer, Herr, mich meine Sünden kränken,
so lass dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wann ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.
(Christian Fürchtegott Gellert, 1757)
Liebi Gmeind
Was isch e Chönig? E Chönig isch i sim Beriich de Best oder de Stärkst, oder er isch eifach de Oberst und eso vo aune akzeptiert.
Es git e Schwingerchönig, e Jasschönig und Wii-, Öpfu- oder Schönheitschöniginne. Es git im Sport de „King Roger“, und es het dört emou de „Chaiser Franz“ gäh. Es git e Bretzuchönig, de Burger King, de Chönig vo de Chöch und de Chönig vo de Hoteliers. Mensche mit viu Geld nenne mir Krösus, in Erinnerig an e riiche Chönig im aute Griecheland.

Dört, wo’s e König het, chah’s kei zweite gäh. Isch eine de Chönig oder eini d’Chönigin, sind’s aui andere nit. Wer’s doch wott werde, muess de Chönig oder d’Chönigin ablöse oder vom Thron stürze, und das isch oft gfährlig.

Wo de Jesus am Tag, wo später Palmsunntig gnennt worde isch, uf em e Esu uf Jerusalem riitet, het me das so chönne düüte, als wäri er de neui Chönig vom jüdische Vouk.
Dä Ritt uf em Esu isch also e heikli Gschicht gsii, denn es het ja scho en König vom jüdische Vouk gäh, de Herodes. Und wiu dä abhängig gsii isch vom römische Chaiser, isch d’Absicht, de Herodes vo sim Thron abz’löse oder z’ver-schüche, au meh oder weniger en Aagriff uf die römischi Herrschaft gsii. Für die gottesfürchtige Lüüt im jüdische Vouk isch de Herodes nit en Chönig nach em Wiue vo Gott gsii, und die römischi Herrschaft au nit. D’Mensche händ ghofft, dass emou wider eine chunnt, wo s’Chönigtum vom David tüeg erneuere; als Zeiche da defür, dass sich Gott wider ganz sim Vouk zuewendet. D’Person, uf die me ghofft und gwartet het, het me Messias gnennt, oder Gsandte, Userwählte vo Gott; dä, wo als Chönig nit sini eigeni Herrschaft usübt, sondern im Uftrag vo Gott Fride und Grechtigkeit bringt.

Au viui vo de oberste Manne im jüdische Vouk, gseuschaft-lich und religiös führend, händ uf en Erneuerig gwartet. Aber sie händ nit gloubt, dass es de Jesus isch, wo vo Gott gsandt, userwäut isch. Einersiits sind sie niidisch gsii uf en, wiu er sehr beliebt im Vouk gsii isch, anderersiits sind sie veruggt gsii uf en, wiu er sie öffentlich kritisiert het, ihne Hüüchelei und religiösi Unterdrückig vorgworfe het.
D’Beliebtheit vom Jesus het ihne au Angst gmacht. Sie händ befürchtet, dur de Jesus chönnti e Begeisterig und Bewegig im Vouk usglöst werde, wo denn es gwautsams Iigriife vo de Römer würdi provoziere. So sind sich die führende Manne, wo süsch rächt unterschiedlichi Meinige gha händ und au zerstritte gsii sind, i däm einig gsii: de Jesus muess wäg. Sie händ auerdings da dezue d’Unter-stützig vom Vouk für de Jesus müesse usschaute. Und sie händ d’Römer müesse überzüüge, de Jesus z’verurteile und z’töte, wiu nume d’Römer d’Todesstraf händ chönne usfüehre. Die führende Manne händ gwüsst, dass ds Vouk ds Vertroue i de Jesus wird verlüüre, wenn me de Jesus i d’Händ vo de Römer würdi uslifere und er sich nit degäge tüeg wehre. Denn eine, wo sich laht gfange näh, chah nit de Gsandti vo Gott sii.
Zerst emou aber händ sie seuber de Jesus müesse verurteile. Ihres Urteil über ihn isch „Gotteslästerig“ gsii. Schliesslich het de Jesus gseit, er sigg de Gsandti vo Gott, sogar de Sohn vo Gott.
„Gotteslästerig“ isch aber für d’Römer kei Grund gsii, de Jesus z’verurteile; da defür isch ja de jüdischi Hohe Rat zueständig gsii. So het me die religiösi Bezeichnig „Gsan-dte vo Gott“ politisch iichleidet: „Chönig vom jüdische Vouk“. Das het düütlich meh nach Hochverrat, Umsturz gschmöckt, und mit dere Aaklag händ sie de Jesus zum römische Statthalter Pilatus gschickt.
De Pilatus isch aber nit dumm gsii. Er het gwüsst, dass eigetlich aui ghoffet händ, es wärdi emou en „Chönig vom jüdische Vouk“ uftauche. Und en ernsthafti Hoffnigsfigur würdet sie sicher nit ihm als Vertreter vo de Besatzigsmacht usliefere. So fragt de Pilatus de Jesus denn au: Bisch du de Chönig vom jüdische Vouk?“ im Sinn vo: „So eine wie du söu de Chönig vo de Jude sii?“ De Pilatus het für d’Verur-teilig vom Jesus öppis Handfesters bruucht, und so isch sini nöchsti Frag gsii: „Was hesch eigetlech aagsteut?“ Er het vom Jesus welle wüsse, ob er irgend öppis unternah gha het, wo d’Aaklag uf „Hochverrat“ und „Ufstand gäg de Chaiser“ het chönne rächtfertige.
De Jesus erchlärt denn em römische Statthauter sis Handle und sini Art vo Chönigtum. Er het nid mit de Hiuf vo Sol-date und mit militärischer Gwaut de Obersti welle sii. Mir würdet hüüt säge, sis Chönigriich sigg vom en andere Stärn. Und de Pilatus würdi hüüt vermuetlich antworte: „Ig ver-stand nume Bahnhof. Chasch mir das no emou erkläre!“
De Jesus seit ihm denn, er sigg de Chönig vo de Wahrheit. Und Wahrheit sigg öppis, wo i dere Wäut verborge isch. Und wäg däm heg er müesse i die Wäut choh, um d’Wahr-heit z’zeige und uf sie hiiz’wiise für aui, wo uf de Siite vo de Wahrheit sind. Das isch, wie wenn er würd säge: „Ig bi wie e Magnet vo de Wahrheit. Und ig tue aui aaziehe, wo e Sehnsucht händ nach dere Wahrheit.“

De Pilatus isch vermuetlich zfest Realpolitiker gsii und nit interessiert a spirituell-philosophische Diskussione, was d’Wahrheit isch. Wahrheit isch für ihn vermuetlich gsii: De Stärker gwünnt, und de Schwächer verlüürt! D’Stund vo de Wahrheit schlaht uf em Schlachtfeld oder bestefaus no am Verhandligstisch. Wahrheit im positive Sinn isch das, was zum eigene Vorteil usghandlet oder erchämpft wird, nega-tivi Wahrheit isch, wenn me verlüürt, Konzessione muess mache. De Pilatus het us de eigene Erfahrig gwüsst, dass me nit immer das hautet, wo me verspricht, dass me mäng-gisch ds Gegeteil macht vo dem, was me seit, dass d’Tüü-schig vo den andere zum politische Tagesgscheh ghört. Chuum eine vo dene Moraliste und Wahrheitsfanatiker schafft’s a die vordersti Front, niemer vo den ergatteret die lukrativste Positione. Und überhaupt: er het sie ja beobach-tet, au die Philosophe und die Religiöse. Da git’s so viu Verschiedens und Gegesätzlichs. Wie söu da eine schlau werde? Was isch Wahrheit i au däm?
„Und emou abgseh devo, sötti’s würklich eine gäh, so e Liechtgstaut, e philosophische und religiöse Überflüger, wo die absoluti Wahrhet entdeckt, denn isch es sicher nit so e Provinzler vom e rückständige Vouk“, het de Pilatus als souze Römer vermuetlich no dänkt. „Weutfrömd, idea-listisch, harmlos“, wird de Pilatus also dänkt ha über de Jesus. „Unschuldig!“ het er luut usgsproche; er het kei Grund gfunde het für e Verurteilig. Er hetti de Jesus freilah, aber wiu das ganz und gar nit im Sinn gsii isch vo de Führer vom jüdische Vouk, laht de Pilatus de Jesus schlussendlich chrüzige. Über em Chrüz laht er e Tafle herehängge, uf die me uf griechisch, latiinisch und hebräisch gschribe het: „Jesus de Nazaräer, Chönig vo de Jude“.

Für de Realpolitiker Pilatus und au die ähnlich dänkende Manne vo de jüdische Oberschicht isch die Sach demit erlediget gsii. Aui händ ihri Huut, ihri Positione, ihre Iifluss chönne rette, sichere.
Und het me nit gueti Argument gha, um die kritische Stim-me, viellicht au s’eigene Gwüsse, z’verdränge? „Wehr- und machtlos, das chah doch kei wahre Chönig sii. Und isch nit das d’Wahrheit, dass e Person vo Gott muess verlah, ja verfluecht sii, wo elendiglich am e Chrüz stirbt?“
Verdrängt händ sie au d’Antwort uf d’Frag, was e wahre Chönig isch? Au i de Antike het me gwüsst, dass es eine muess sii, wo wahrhaftig mächtig isch und frei, wo sich nit laht iischüchtere, nit emou vom Tod. Es isch eine, wo sich nit laht büüge und verbüüge.
I däm Sinn isch de Jesus vöuig frei gsii. Er het sich uf Gedeih und Verderb ganz Gott aavertraut und usglieferet.
Grad i sinere üsserste Macht- und Wehrlosigkeit zeigt er d’Macht vo Gott, e Liebi, wo vergit und au üses mensch-liche Unrecht treit und überwindet.
De Chönig vo de Wahrheit isch d’Wahrheit in Person. Er lebt d’Wahrheit und zeigt, dass d’Wahrheit viu meh mit ere lebendige Beziehig z’tue het als mit em richtige Erkenne.
Wahrheit isch viu meh e Aaglägeheit vom Härz als vom Verstand.
Nüt gäg die Schwinger- ,Jass- und Bretzuchönige, nüt gäg die Wii, Öpfu- und Schönheitschöniginne, nüt gäg de „King Roger“ und de „Chaiser Franz“.
Aber au üsi Chönige chönd’s nit ufnäh mit em Chönig vo de Wahrheit, und mit ere Beziehig zu ihm, e Härzenssach.
Was isch Wahrheit? fragt de Pilatus. Wahrheit isch bi däm wo seit, er sigg e Chönig, aber nit vo dere Wäut, und wo üs hiuft, aus Hohe und Tüüfe im Läbe und über’s Läbe usse z’meistere, dürrezstah.

Amen

Besti Grüess und es härzlichs „B’hüet nech Gott,

Pfr. U. Bukies
Bereitgestellt: 06.04.2021     Besuche: 6 heute, 64 Monat
 
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