Predigt zum 24. Januar 2021 Thema: «Harmonie um jeden Preis?»

Kandinsky color study <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Kandinsky)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>15755</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Philippi:

Das Entscheidende ist: Lebt so, dass es im Einklang mit dem Evangelium von Christus steht! Dann werdet ihr einmütig zusammenstehen und Seite an Seite für den Glauben kämpfen, der sich auf das Evangelium gründet.
Ihr werdet euch durch nichts von euren Gegnern einschüchtern lassen.
Gott hat euch jetzt die Gnade erwiesen, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch für Christus zu leiden. Ihr habt denselben Kampf zu bestehen wie ich. Ihr habt ja miterlebt, wie ich zu kämpfen hatte, als ich bei euch war. Und wie ihr wisst, ist der Kampf für mich immer noch nicht vorbei.

Liebi Gmeind
Was isch normal? Genau vor em e Jahr isch es für üs völlig normal gsii, mit anderne Lüüt zäme zsii - bedenkelos, ohni Beschränkig vo de Teilnehmerzahl, ohni Gsichtsmaske.
Denn isch ds Coronavirus choh und het üs zeigt, dass das, wo lang für üs normal gsii isch, plötzlich nüm normal isch. Was aber isch für üs jetz no normal, selbstverständlich?
Zum Biispiel, dass mir üs immer no friedlich und öffentlich chönnt treffe zum Gottesdienst fiire. Sicher, mir mönd zwar luege, dass mir ds Corona nit verwütschet. Aber mir mönd kei Angst ha, dass plötzlich eine uftaucht und üs gfange nimmt. Mir mönd nid befürchte, dass i de Chille plötzlich e Bombe explodiert. -- Das isch nid überall uf däre Wält eso.
Denn im Durchschnitt werdet täglich zwölf Chillegebäude aagriffe. Jede Tag verlüüret 13 Mensche wäge ihrem christ-liche Glaube ds Läbe. Das sind also im letzte Jahr meh als 4000 Christe gsii, wo wäge ihrem Glaube tötet worde sind. Tag für Tag werdet zwölf Christemensche unrechtmässig is Gfängnis gworfe wäge ihrem Glaube, und füüf Persone werdet jede Tag verschleppt.
Anders usdruggt isch es weltwiit für jedi achti Christeper-son normal, wägem christliche Glaube grossi Nachteil müesse in Kauf znäh. Wenn mir einzelni Kontinent aa-lueget, bedüütet das für Afrika, dass dört jedi sechsti Person wäge ihrem christliche Glaube grossi Schwierigkeite het. Und z’Asie mönd sogar zwei vo fünf Christe, Christinne schwäri Nachteil wäge ihrem christliche Glaube erträge.
Im vorletzte Jahr, 2019, sind das insgsamt 260 Millione Christemensche gsii, wo i söttige schwierige Umständ händ müesse läbe. Im letzte Jahr, 2020, het die Zahl sogar zue-gnah und ligt jetzt bii ungefähr 310 Millione. I Länder wie Nordkorea, Afghanistan, Pakistan, Libyen, Somalia, Nigeria, Mozambique, Indien, Kolumbien chah es sehr gfährlich gsii für Mensche, wo als Christe läbet oder wänd läbe.
Was sind d’Gründ für die Schwierigkeite? Zum Teil läbet Christe dört, wo extremi und gwaltbereiti islamischi Grup-pierige en grosse Iifluss überchoh händ und für Terror sorget. I anderne Länder isch es es festgfügts Familie- oder Grossfamiliesystem, wo traditionell nit christlich isch und den einzelne Mitglieder nid d’Glaubensfreiheit wött lah. Aber es chah au die politischi Situation sii, wo im e Land zu Unterdrückig führt, z. B. en diktatorische Herrscher oder en religiöse Nationalismus. Z’Indien werdet d’Stimme immer luuter, wo säget: „Me isch nume denn en guete Inder, wenn me Hindu isch oder bliibt!“ Aber es git au Länder, wo die organisierti Kriminalität höch isch und d’Korruption. Dört werdet Christe bedroht und verfolgt, weil sie kriminelli Handlige nid wänd unterstütze oder decke. Und leider, leider git’s au immer no Länder, wo d’Christe selber für d’Unterdrückig verantwortlich sind;
wo e bestimmti Usprägig vom christliche Glaube vorherr-schend isch und nit zuelaht, dass es au anderi Arte vom Christetum git. Mir händ das i de Vergangeheit ja au bi üs erläbt, wo während und nach de Reformation sich die Katholische und die Reformierte gegesiitig bekämpft und vertribe händ. Da im Kanton Bärn het denn die reformierti Kirche au no die so genannti Täuferbewegig, d’Mennonite, uffe in Jura verjagt.

Lang, lang het’s ja au im so genannt christliche Europa d’Benachteiligung und Verfolgig vo de Mensche mit jüdi-schem Glaube gäh; es Biispiil defür, dass jede Glaube, jedi Überzügig i de Gfahr isch, die Andersglaubende, Anders-denkende z’bekämpfe.
Mir gsehnd also, dass de Glaube en Grund für Schwierig-keite und Nachteil chah sii. Ja, dass es je nach Ort und Ziit au no im 21. Jahrhundert leider normal ist, sis Läbe z’ris-kiere wägem Glaube. Vo daher sind au dä Bibelabschnitt,
wo mir ghört händ, und ds Lied «Ein feste Burg …» zur hüütige Ziit i vielne Gegende vo üse Wält no hochaktuell. Friede, Verständigung, Verständnis, Toleranz, Freiheit sind leider nit überall selbstverständlich. Und wie schnell sich e Situation chah ändere, händ ja d’Mensche z’Dütschland zur Ziit vom Nationalsozialismus erläbt.
Ig ha über die Predigt d’Frag gstellt: Harmonie um jede Priis? Wenn mir i d’Welt usselueget, mönd mir leider ant-worte: Es Läbe i Harmonie mit de Mitmensche isch für vieli Christe, -inne nume denn möglich, wenn sie de volli Priis zahlet, und das würdi für sie bedüte: ihre christliche Glaube ufzgäh. Oder zumindist gege ihres Gwüsse handle dört, wo d’Kriminalität vorherrscht, wo d’Christe sich weigeret, kriminelli Handlige z’unterstütze wie z. B. Droge, Waffe oder Mensche z’schmuggle.
Mir mönd üs frage: Isch es in ere söttige Situation über-haupt möglich, in Harmonie z’läbe? Chah en Mensch sini inneri Harmonie bewahre, wenn er sini Überzügige und sis Gwüsse ufgit für en üsseri Harmonie?
«Läbet im Iiklang mit dem Evangelium!», het de Paulus vor knapp 2000 Jahr dene Christe z’Philippi gschribe. „Stönd zäme und kämpfet mitenand für eure Glaube a de Jesus! Denn Gott het eu d’Gnad erwiise, a de Christus z’glaube und wäge däm au für ihn z’liide.“ Das sind starki Wort, wo üs ufschrecket! Da seit doch de Paulus, es sigg e Gnad vo Gott, für de Glaube a de Jesus z’liide. Anders usdruggt:
„Es isch e Wohltat vo Gott, dass ihr für Christus dörfet liide!“ No anders gseit: „Gott macht eu zwei Gschänk: zum eine de Glaube a de Jesus und zum andere, da demit ver-bunde, es unharmonischs Zämeläbe, sigg’s i eure Familie oder mit eure Mitbewohner in eurer Stadt oder in eurem Land.“
Warum, so fröget mir üs, händ sich Mensche vor 2000 Jahr uf so öppis iilah, und machet’s au hütt no? Mir händ’s am Anfang erwähnt: meh als 300 Millione Christemensche nähmet wäge ihrem Glaube es extrem unharmonischs Zämeläbe in Kauf. D’Antwort isch eifach: De Glaube a de Jesus isch verbunde mit em e Läbe i Harmonie mit Gott. Und die Harmonie mit Gott isch de extremi Priis wärt, wo mir Mensche mängisch mönd zahle: d’Disharmonie mit üse Mitmensche.
Dass de Jesus selber wäg em Läbe i Harmonie mit Gott d’Disharmonie mit sine Mitmensche in Kauf gnoh het, isch sicher es grosses Plus. Und au, dass d’Nachfoger, -inne vom Jesus bereit gsii sind, bi de Verbreitig vo de christliche Botschaft Widerständ und Disharmonie z’erträge. Nähmet mir de Paulus als Biispiel, wo i de Stadt Philippi i sinere Arbeit vo de Verbreitig vom Evangelium en Tumult usglöst het, gschlage und unrechtmässig i ds Gfängnis gworfe worde isch. Dur es Wunder isch er denn wieder freichoh, aber me het em grate, d’Stadt Philippi doch besser z’verlah. Immer wieder isch er i sim Dienst gfange gnah worde, und während so me Gfängnisufenthalt het er au de Brief a d’Christe z’Philippi gschribe. De Paulus het also nüt verlangt, wo n er nit selber au erläbt het.
Harmonie um jede Priis? Wenn s um d’Harmonie mit Gott gaht, isch offesichtlich jede Priis rächt, und das chah im schlimmste Fall de Verlust vom eigete Läbe sii. Das heisst denn im schlimmste Fall, dass d’Harmonie mit üse Mit-mensche de Priis isch, wo mir parat mönd sii z’zahle. Oder anders usdruggt: Es harmonischs Zämeläbe mit üse Mit-mensche isch unter gwüssne Umständ nit jede Priis wärt. Das isch für üs en ufschreckendi, schwär verdaulichi Wahr-heit, isch aber, wie mir’s scho ghört händ, für jedi achti Person vo üs Christemensche en aktuelli Würklichkeit.
Jetz mönd mir aber doch au no unbedingt erwähne, dass d’Harmonie mit üse Mitmensche öppis sehr Wertvolls isch, wo mir au mit allne Mittel söttet aastrebe und bewahre. „Läbet, sowiit das i eure Möglichkeite ligt, mit allne Men-sche im Friede!“, schriibt de Paulus im e andere Brief. Und au i sim Brief a d’Christe z’Philippi isch der Paulus besorgt um es harmonischs Mitenand. „Ihr sind stärker i eurem Kampf für de Glaube, wenn ihr das zäme machet“, het er ja gseit. Und öppis guet zäme mache chönd mir nume, wenn mir in ere möglichst harmonische Beziehig läbet. Die zwü-schemenschlichi Harmonie het übrigens au ihre Priis. Es forderet vo üs, dass mir mängisch zruggzstönd mit üse Mei-nig. Dass mir chönnd zuelose, was die andere säget, dass mir üs bemüehet, sie z’verstah, offe sind defür, dass en andere au chah Rächt ha. Oder dass mir’s chönd zuelah, dass nit alli Mensche d’Sache so aalueget oder machet, wie mir das gsehnd oder aapacket. Au das isch en Priis, wo mir immer wieder mönd zahle im Läbe, en Aastrengig, wo mir leistet, demit s’Zämeläbe i Harmonie möglich isch und bliibt.
„Im Wesentliche eins sii“, seit de Paulus, nämli im Glaube a de Jesus und im Hoffe uf die vollkommeni Harmonie vo de zuekünftige Wält vo Gott („Dein Reich komme!“, bättet mir, und „dein ist das Reich und die Herrlichkeit“). D’Usrichtig und d’Aabindig a die Harmonie mit Gott, wo halt unter Umständ en sehr hohe Priis het, nämli dass es zwüschemenschliche Läbe chah gfährlich disharmonisch werde für üs.
„I weniger wesentliche Sache aber chönne unterschiedlich sii“ und enand d’Freiheit lah, seit aber au de Paulus. Denn eso wird d’Harmonie mitenand möglich und bliibt erhalte. Drum chönnd mir ruehig unterschiedlich drüber denke, ob mir e Fahne mit ere politische Botschaft am Kirchturm dörfed ufhänge oder nid, mir dörfed unterschiedlich drüber denke, ob mir ds Kies sött abbaue im Bleichfeld oder nid, ob mir üs söttet lah impfe gege ds Corona oder nit.
I allem mönd mir letztlich d’Frag für üs beantworte:
„Welle Priis wott ig zahle für d’Harmonie i mim Läbe, für d’Harmonie mit Gott und mit mine Mitmensche?“ Amen


B’hüet nech Gott & liebi Grüess, Pfr. Ueli Bukies
Kerstin Möri,
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