Predigt zum 10. Januar 2021 "Vorbilder - christliches Lehrlingswesen im 21. Jahrhundert"

Daniel B&ouml;cking <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Kerstin&nbsp;M&ouml;ri)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>15732</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Philippi:
Ich bin sicher, dass ich euch noch erhalten bleibe. So kann ich weiterhin dazu beitragen, dass ihr in eurem Glauben voran-kommt, und dass euch durch den Glauben eine immer tiefere Freude erfüllt …
Aber ob ich bei euch bin oder nicht: lebt so, dass es im Ein-klang mit dem Evangelium von Christus steht …
Jede/r soll nicht nur auf das eigene Wohl bedacht sein, sondern auch auf das Wohl der anderen. Das ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat, und das soll auch die Haltung sein, welche euren Umgang miteinander bestimmt …
Folgt meinem Beispiel, wenn es darum geht, das Ziel unseres Lebens im Auge zu behalten: die zukünftige himmlische Welt, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat. Nehmt euch dabei auch die unter euch zum Vorbild, die so leben, wie ihr es an mir gesehen habt …
Überhaupt: wenn ihr so lebt, wie ich es euch gesagt und vor-gelebt habe, werdet ihr erfahren, dass Gott mit euch ist und euch seinen Frieden gibt …


Liebi Gmeind,
Demit Lehrling i de Abschlussprüefig erfolgriich chönd sii, müend sie kopiere, was ihri Vorgsetzte im Lehrbetrieb ihne zeiget. Sie müend i de Gwerbschuel ds Wesentliche ufnäh.
I de Regle sind üsi Lehrmeister, -inne und Gwerbschuellehrer, -inne gnueg guet und überzüügend, und de allergrössti Teil vo üse Lehrling schlüsst d’Lehr mit Erfolg ab.
Es Biispiel defür, dass mir Vorbilder händ und bruuched, und zwar menschliche Vorbilder. Ds Lerne isch nid eifach es me-chanischs Kopiere und Abspiichere. Niemer wott seelelosi Ro-boter i de Schuele und Lehrbetrieb. Ds Vormache allei langet nid. So heisst’s denn au „Vorbilder statt Vorschrifte!“ im Blick uf d’Erziehig i de Familie, uf d’Usbildig i Schuel und Bruef und ganz allgemein i Bezug uf s Zämeläbe i üser Gsellschaft. „Nid Vorgsetzti, sondern Vorbilder!“ erwartet mir au vo Fraue und Manne, wo Leitig und Verantwortig händ i Politik und Wirtschaft. „Vorbilder vor!“, i däm Zämehang werdet folgendi Eigeschafte gnennt, wo sie uszeichnet: Ufrichtig, ehrlich, na-türlich, integer, iifühlsam, freudig, friedfertig, gmeinnützig, fair. Hohi Aasprüch, wo mir a die stellet, wo führet und präget.

Wie haltet mir’s eigetlich i de reformierte Chille mit mensch-liche Vorbilder? D’Reformation het ja nid numme d’Bilder, sondern au d’Vorbilder, die so genannte „Heilige“, entfernt.
Ig denk, dass mir üs hüüt trotzdem vom Läbe vo vorbildliche Manne und Fraue lönd positiv aastecke, au wenn mir sie nid als „Heiligi“ verehret und nid als Fürsprecher bi Gott aarüefet.
Ig vermuet, dass nume wenigi d’Vorstellig, jede vo üs sigg e mündige Christ, eso verstönd, dass da demit jedi Person au ihres eigete Vorbild isch. De Apostel Paulus uf all Fäll ermue-tiget d’Christe z’Philippi, ihres Läbe am Biispiel vo Vorbilder usz’richte! Ganz unbescheide präsentiert er sich ihne selbst als Vorbild. Es dünkt mi, de Paulus nähmi d’Forderig vom Jesus ernst, wo luutet: „Machet alli Mensche zu mine Nachfolger, -rinne. Lehret sie, eso z’läbe, wie ich’s eu uftreit ha“. De Jesus seit da als Meister vom Läbe sine eigene Lehrling: „Ihr händ euri Lehr bi mir so wiit abgschlosse, dass ig eu jetzt d’Verant-wortig überträge, mini Läbesschuel, Läbeslehr wiiterzführe. Wenn ihr anderi Mensche überzüüget, aastecket, so dass sie euri Läbenswiis übernähmet, machet ihr sie da demit zu mine Schüler, -inne, Lehrling“.
Mir chönd i däm Zämehang das momentan beliebtesti Tauf-verspreche erwähne, wo d’Eltere, Götti und Gotte usdrugget, dass sie dur ihri Erziehig und ihres Vorbild wänd mithälfe, dass sich ihri Chind spöter emol chönd freue, Mensche z’sii, wo tauft worde isch. Sich freue, tauft zsii; d’Taufi als Usdrugg vo de Beziehig zum Jesus verstah. Freud empfinde als Lehrling vom Jesus, em Meister vom Läbe.
Vo dere Freud redet de Paulus, wenn är de Christe z’Philippi schriibt: „Ig träg dezue bii, dass ihr im Glaube wachset, und dass ihr eso en immer grösseri Freud erläbet“. Aber nid nume vo de Freud redet de Paulus, sondern au vom Friede. „Wenn ihr euch i de christliche Läbensschuel an eurne Lehrmeister, -inne orientieret, werdet ihr erläbe, dass Gott eu sin Friede git“, seit de Paulus. En Friede, wo Ruehe is Läbe bringt, wo euch begleitet, wenn ihr hoffet und vertrauet.
Freud und Friede sind also Kennzeiche von ere erfolgriche christliche Lehr. Das bedütet, dass ds Klima in ere christliche Gmeind vo Freud und Friede prägt isch, wenn’s dört gnueg gueti und überzüügendi Lehrmeister, -inne git und au Schüler, -inne, wo sich lönd motiviere. Mensche werdet positiv aagsteckt in ere christliche Gmeinschaft. D’Freud und de Friede chönd wachse und sich i einzelne Persone so fest verankere, dass d’Freud und de Friede nid untergönd, immer wieder a d’Ober-flächi chömet, au wenn d’Mensche in ihrem Läbe unter ds Wasser zoge werdet und sogar i Strudel gratet.
Es isch ufschlussriich, dass i de Sprach vom Neue Testament ds Wort für „Vorbild“ au d’Bedütig het: „E Form, wo prägt“.
E Chueche-Backform oder e Form zum Münzpräge sind also au Vorbilder. Wenn mir üs fraget: „Bin ig als Christ, -in in Form?“, heisst das so viel wie: „Tuet mis Läbe überiistimme mit mine Vorbilder? Läbe ig eso, wie sie s mir vorgläbt händ?“ Aber Vorsicht!! So berechtiget die Frag isch, so gfährlig isch sie au. Denn „in Form sii“, „mit eme Vorbild überiistimme “ heisst nid, dass mir übertriebe „konform“ söttet sii. Ds Gege-teil vo „usser Form sii“, „formlos sii“ isch nid e leblosi, blind folgendi Förmlichkeit, sondern es läbigs, unverwechselbars „Format ha“. Da chunnt s’Aaligge vo de Reformation i ds Spiel, wo’s drum gaht, e mündige Christ zsii, en eigeständigi Persönlichkeit zbliibe, en Mensch, wo Profil het, wo d’Fähig-keit z’denke, z’prüefe, z’entscheide nid a’n Nagel hängt.
(Die nächsti Predigt zum Thema „Harmonie um jede Priis?“ wird sich mit de Eigeschaft „Format ha“ beschäftige).
Wie gschieht im Jahr 2021 die christlichi Prägig vo Mensche? Wie lauft das mit dere Lehr vom Läbe, dene Lehrmeister,- inne als Vorbilder und mit dene Lehrling?
Wer treit dezue bii, wie’s de Paulus seit, dass Mensche zum Glaube findet und durch ds Wachse vom Glaube au stärker d’Freud und de Friede vo Gott erläbet? Eigetlich gschieht das überall dört, wo de Glaube nid vom Läbe trennt, sondern im Läbe verwurzlet isch. Also dihei i de Familie, aber au i de kirchliche Veranstaltige wie KUW und Gottesdienst.
Im 21. Jahrhundert, mit de Mobilität, em nahezu unghinderete Informationsfluss, de Individualisierig, sind au d’Möglichkeite, Vorbilder zfinde und christlich prägt zwerde, fast grenzelos, anders als vor knapp 2000 Jahr, wo de Apostel Paulus si Brief a d’Christe z’Philippi gschribe het. Ig möcht defür e Biispiel bringe, es Läbe vom Daniel Böcking. Er läbt mit sine Familie z’Berlin und schafft als Journalist bi de Ziitig „Bild“. Er het zwei Bücher gschribe über sini christliche Prägig: im Jahr 2016: „Ein bisschen Glauben gibt es nicht. Wie Gott mein Leben umkrempelt“, und denn im Jahr 2018: „Warum Glaube grossartig ist. Mein Glück mit Jesus“. De Titel vom zweite Buch zeigt, dass d’Freud im Läbe vom Daniel Böcking zue-gnah het, dass er also gnueg gueti und überzüügendi Lehr-meister, -inne gfunde het und die christlichi Prägig bi ihm uf guetem Wäg isch. Sis Läbe isch ziemli gwöhnlich verloffe.
Er isch als Chind tauft worde, aber Gott isch ihm fremd bliibe. Glaube isch für ihn zwenig iiladend gsii. So het er nie d’Idee gha, Gott i sis Läbe ineznäh. De Reli-Unti het er nid als lang-wiilig erläbt. Bi de Pfadfinder het er e gueti, spannendi Ziit erläbt, abgseh devo, dass er bim Bsuech vo de katholische Messfiir als Evangelische en Ussesiiter gsii isch. Spöter bim CVJM isch d’Gmeinschaft au wieder guet gsi. Aber d’Gottes-dienst, jetzt evangelisch, sind e lästigi Pflicht bliibe. A Gott glaubt het de Daniel Böcking nach wie vor irgendwie. Sis Motto isch gsii: „Gott isch Liebi“. Aber was Liebi isch, het er selber definiert. Sis Läbe isch glatt gloffe, es het en nie härt dürregschüttlet. So isch er erwachse worde, erfolgriich gsii i sim Bruef als Journalist, het ghürate und e Familie gründet.
Irgendwenn het er es Aha-Erlebnis gha. Ihm isch gseit worde, er chönni sehr bös luege, rechthaberisch sii, und eso d’Lüüt iischüchtere. Das het ihm zdenke gäh, er het gspürt, dass bi ihm nid würklich Guets us eme reine, liebende Härz chunnt. Wesentliche Aastöss zum Glaube het er denn im Jahr 2010 chriegt, im Alter vo 33 Jahr. Als Journalist het er z’Haiti über ds Erdbebe brichtet und dört Mensche aatroffe, wo betroffe gsii sind vom Unglück und au die, wo ghulfe händ. Vieli händ en Glaube a Gott gha, wo ihne im unsägliche Liide Halt gäh het. Er het nie d’Frag ghört: „Warum laht Gott das zue? Git’s en überhaupt?“ Wenig spöter het er huutnöch erläbt, wie bi de Loveparade z’Duisburg Mensche ztot tramplet worde sind, weil plötzlich e Panik usbroche isch. I de Folg het är gmerkt, wie er ernsthafter zu Gott bättet het. Churz druf abe isch er uf Chile und het über es Gruebeunglück brichtet. Au dört het de Glaube vieli Mensche über und unter de Ärde dürretreit wäh-rend dere lange Rettigsaktion, wo 69 Täg duuret het. Berüehrt vo all däm het sie Kopf ihm gseit: „Ig wott au fest a Gott glau-be“. Aber sis Härz het no meh Ziit bruucht, um sich uf e Bezie-hig zu Gott chönne iizlah. So het er nach em Motto wiitergläbt: „Im Fall vom Zwiifel sött me d’Nöchsteliebi em Gottesdienst vorziehe“. Im Jahr 2012 isch er im e Trainings-Camp gsii, um Koordinator für Iisätz i Krise zwerde. Dört het er e jüngeri Frau, de Marie, troffe, wo in ihrem Läbe d’Beziehig zu Gott pflegt und de Glaube ufrichtig gläbt het. Im Kontakt mit ihr het er realisiert, dass ds Christsii im Kern bedüütet, sich uf de Jesus iizlah als de Retter, wo d’Schuld vo de Wält uf sich gnah het. Als Journalist het er kei Problem gha, all die Argument für und gege Gott z’recherchiere, isch aber überzüügt blibe, dass es Gott git, nach em Motto: „Wie chah me meine, dass nit Gott dehinter isch, wenn me all die Schönheite vom Läbe gseht?“
De Daniel het intensiv d’Bible gläse, vor allem d’Evangelie, um meh über de Jesus z’erfahre. Danebe het er wiiter online de Kontakt pflegt mit de Marie, und au mit eme Kolleg vo ihr. Er het christlichi Gmeinschaft gsuecht, isch i d’Chillegmeind a sim Wohnort gange, i verschiedeni anderi Gmeinde und Frei-chille, isch aber niene heimisch worde. Aber er het sich durch’s Läse vo Büecher wiiter über de christlich Glaube informiert.
Irgedwenn isch denn i de Beziehig zu Gott de Funke gsprunge. Er het bim Bätte de Iidruck chriegt, d’Leitig sigg jetz frei, d’In-formation flüssi hie und zrugg, und d’Liebi vo Gott sigg für ihn spürbar. Er het witer de Email-Kontakt pflegt mit sine beide jüngere Vorbilder. Aber d’Kontäkt zue Chillegmeinde sind lose blibe: er het da emol en Meditationskurs bsuecht, dört e Begäg-nig gha im e Gottesdienst bim en Arbeitsufenthalt z’Korea. Er het glernt, dass d’Christe sehr unterschiedlich chönd sii, aber dass es ihn nid abhaltet, im Kern dezue zghöre. Mit de Ziit het er au anderi Lüüt troffe, wo wie er ersti Erfahrige im christliche Glaube gmacht händ. Er het folgendi Gmeinsamkeite festgstellt i de „christliche Grundusbildig“: sie händ ds Läbe Gott aaver-traut, händ aagfange, Gott zvertraue und kindlich a sini Liebi zglaube. Und sie sind bereit gsii, ds eigete Läbe vo Gott lah z’bstimme und z’verändere.
2015 het de Daniel sis „coming out“ als Christ gha mit em Ar-tikel i de Bild-Ziitig. Nach sim erste Buch 2016 isch er vo viele Chillegmeinde, Freichille und christliche Werk iiglade worde, sini Gschicht z’verzelle. Er isch i ganz Dütschland umechoh i de unterschiedlichste christliche „Biotop“, het aber überall de Kern vom Evangelium chönne gseh. Er het au immer öppis Positivs chönne mitnäh für sis eigete Läbe. Inzwische isch er au in ere christliche Gmeind z’Berlin heimisch worde („Berlin-projekt“), wo sich au sini drei Chind wohlfüehlet.
D’Gschicht vom Daniel Böcking isch es Biispiel für e erfolg-riichi „christlichi Lehrlingsusbildig“ im 21. Jahrhundert. Sini Vorbilder sind nid uf ei Chillegmeind beschränkt gsii, und etli-chi Mensche werdet wohl nie erfahre, wie wichtig sie für sini Prägig gsii händ. Gott sei Dank für sini Rolle als Koordinator vom christliche Lehrlingswese! Amen.

Mit herzliche Grüess & b’hüet nech Gott! Pfr, Ueli Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 11.01.2021     Besuche: 5 heute, 129 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch