Predigt zum Jahreswechsel 2020 - 2021 "was heisst nüchtern?"

29267217218_09968ce3aa_c <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;un-denys-nevozhai-185408)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>15712</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

1. Thessalonicherbrief, aus Kapitel 5

Der Tag, an dem der Herr kommt, wird so unerwartet eintreffen wie ein Dieb in der Nacht. Menschen, die sich hier auf Erden in Sicherheit wiegen, werden darauf gänzlich unvorbereitet sein. Als Christen sind wir Kinder des Lichts und des Tages. Deshalb wollen wir uns nicht einschläfern lassen, sondern hellwach und nüchtern bleiben. Unser Leben soll von Glauben, Liebe und der Hoffnung auf Erlösung bestimmt sein.


Liebi Gmeind
Es isch kurz vor em Heiligabend 1962. De Tony Vallelonga und de Don Shirley sind uf em Weg zrugg nach New York. De Tony het de Don, en Pianist, mehreri Wuche umenand chauffiert während ere Konzerttournee im Süde vo den USA. Vor em Aatritt vo dere Reis het de Tony sinere Frau müesse verspreche, dass er rechtziitig zrugg sigg, um mit de Familie Wiehnachte zfiire. Und de Don als sin Chef het das Verspreche müesse bestätige.
Für de letzti Wägstrecki hei uf New York mönd die beide allerdings meh als 1500 km zrugglegge. Am letzte Tag händ sie dezue no mit einige Hindernis z’kämpfe. Dichte Schneefall laht sie numme langsam voraachoh, und e Reifepanne haltet sie zuesätzlich uf. De Tony, wo stundelang hinter em Stüürrad gsesse isch, chah sich kuum no wachhalte.
I dere Situation bhaltet de Don en klare Blick. Er bittet kurzerhand de Tony aazhalte, und die beide tuusched ihri Rolle. De Don setzt sich hinters Stüür, und de Tony chah sich uf de Ruckbank vom Auto usruehe. Rechtziitig erreichet sie eso New York und chönnt ihres Verspreche iihalte, zum Weihnachtsfest zruggsii.
Üsi beide „Helde vo de Landstrass“ händ’s gschafft, weil sie es klars Ziel vor Auge gha händ. Und en feste Wille, wo’s mit de Widerwärtigkeite ufgnah het. Zudäm händ sie zämmeghebt. Wo de Tony nüm het möge, isch de Don iigsprunge und debii sogar über sin Schatte gsprunge. Er het ganz nüchtern realisiert, dass er am Schluss sini Rolle als Passagier, als Chef, muess ufgäh und d’Rolle vom Chauffeur, vom Diener muess übernäh.
Die Episode us em Film „Green Book“ isch es guets Biispiel für d’Eigeschaft vo de Nüchternheit. Nüchtern sii, da denket mir ja vermuetlich zerst emol an e Person, wo kei Alkohol (meh) trinkt. De Schauspieler Anthony Hopkins het die Täg bekannt gäh, dass er vor 45 Jahr ufghört het z’suufe. Das isch grossartig und bewundernswert, het ihm s’Läbe grettet. Aber i üsere Gschicht vom Tony und vom Don gaht’s um en anderi Art vo Nüchternheit.
Sicher, wenn de Don zviel trunke hetti, wär’s für ihn nit möglich gsii, d’Situation klar und usgwoge z’beurteile und denn zue nere vernünftige und machbare Lösig z’choh. Aber luege mir üs d Tony aa: de het sich vo dere schwierige Situation lah gfange näh, grad au weil er sich dagege wehrt. Er strengt sich aa und no meh aa und no meh, bruucht do defür sini ganzi Energie und realisiert irgedwenn nüm, dass sini Aastrengig nit oder nüm d’Lösig für’s Problem isch. Obwohl de Tony also nit trunke het, isch er gliich nit nüchtern gsii, nit fähig zue ere aagmessene Reaktion.
Au em Don hetti s a Nüchternheit gfehlt, wenn er sich hetti zfest lah gfange näh vo sinere Stellig. Wenn er bherrscht gsii wär vom ene Standesdünkel, wenn er also dänkt hätti: „Ich bi hier de Chef, de Boss. Söll doch de Tony luege, wie er z’schlag chunnt mit chauffiere!“ Aber de Don het ganz nüchtern überleit: „Wie schaffe mir’s jetz no rechtziitig uf New York?“ Er het sich erinneret a’s Verspreche, wo au er de Frau vom Tony gäh gha het.

Zue dere Art vo Nüchternheit händ d’Apostel vom Jesus die erste Christe ufgruefe. D’Apostel händ do demit eigetlich nume wiitergäh, was ihne de Jesus scho uf’s Herz gleit gha het. Em Jesus isch es um e schnörkellosi Liebi gange. Um d’Liebi zu Gott, und um d’Liebi zu de Mensche. E Liebi, wo nid nume sentimental, schwärmerisch, romantisch isch. E Liebi, wo nid a de schöne Wort und liideschaftliche Blick gmesse wird, sondern a de Tate.
Und verbunde mit dere Liebi isch de Glaube. Anders gseit gaht’s em Jesus für üs um es liebevolls Ver-trauensverhältnis zu Gott. Alles ander isch dere Beziehig unterg’ordnet, wird zweit-, dritt-, viert-rangig oder sogar unmöglich. Die Beziehig zu Gott söll üsi ganzi Aastrengig und Ufmerksamkeit ver-diene. „Ihn liebe vo ganzem Härz, mit ganzer Seel und ganzer Kraft“, heisst s’Gebot. Und us dere Beziehig zu Gott flüsst d’Liebi zu üs selber und zu üse Mitmensche, üse Nächste.
Da demit sind mir ganz da im „Hie und Ietz“, liebe mir s’Läbe, üses Läbe. Gliichziitig sind mir aber au usgrichtet uf die Ziit, wo Gott die unsichtbari Grenze zwische sich und üs entfernt, und wo er en neue Himmel und e neui Ärde schafft. Da demit isch üses Läbe näb em Glaube, Vertraue und de Liebi au bestimmt vo de Hoffnig, de Hoffnig uf Erlösig. Und eso tüend mir üs immer wieder ganz nüchtern in Erinnerig rüefe, dass für üs „d’Wält nit gnueg isch“. Mir vermieded da demit mänggi Ernüechterig.

„Hie und ietz“ verlönd mir das fast vergangeni Jahr und gönd in es neus mit de Iistellig: „D’Wält isch nit gnueg!“ Das isch meh als en Iistellig. Ganz nüchtern betrachtet isch es e Hoffnig, wo üs als läbigi Wäse über die sichtbari Wält laht usseluege. Alli andere Hoffnige sind letztlich de Vergänglichkeit unter-worfe oder zielet sogar uf e finali Vergänglichkeit. Alli andere Hoffnige mönd mir deshalb a Sache binde, wo für üs denn zwangsläufig zum Gottesersatz werdet. Denn irgedwo mönd mir üses Härz, üsi Seel, üse Verstand, üsi Chraft chönne aabinde.

Hie und ietz verlönd mir also ds 2020, gönd i ds 2021 und lueget, dass üsi liebevolli Vertrauens-beziehig zu Gott erhalte bliibt und no cha wachse. Und dass es uf Grund vo dere Beziehig immer meh Beriich i üsem Läbe git, wo d’Liebi bestimmend isch und üs hilft, vernünftigi, hilfriichi Entscheidige z’träffe, wo zum Wohl vo üs und üse Nächste sind. Ganz nüchtern betrachtet isch da bi üs i de Regle no es enorms Wachstumspotenzial vorhande.
Nüchtern üsi Glaube, üses Vertrauensverhältnis zu Gott, betrachte zeigt üs, dass sich, wie i jedere Beziehig, au d’Beziehig zu Gott sicher noch laht intensiviere. Eso, dass mir nit nume redet und bittet und klaget, sondern au uf ihn loset. Dass mir üs vo Gott lönd hinterfrage, uffordere, aber dass er üs au chah besänftige, tröste, ermuetige, dass er üs chah Vergäbig zuespräche. Und dass üsi Dankbarkeit und üses Lob überleit und aagmesse werdet.
Nüchtern üsi Gottesliebi betrachte chönd viellecht au da dezue füehre, dass mir findet: das dörfti alles doch no e chli emotionaler werde. Eso, dass üs vielleicht au emol es „Gott, ig ha di gärn“ usserütscht.
Nüchtern üsi Nächsteliebi und Hoffnung betrachte chönd viellecht dezue füehre, dass mir üs aafründet mit dere Vorstellig: „Was wär, wenn de „Tag vo Gott“ hüüt würd iiträffe?“ Eigetlich wär das ja wunderbar und erlösend für die, wo hie und ietz uf dere Ärde unter unmenschliche Zueständ liidet!
Nüchtern vertraue, liebe und hoffe luegt also au fürschii und freut riesig sich uf dä Tag, wo Gott sis Verspreche iilöst und de Tod vernichtet. Wo er mit üs Mensche s’Fest vo de endgültige Befreiig fiiret mit köstliche Spiise und alte, guet glagerete Wii (nach Jesaja 25). Nüchtern betrachtet wird Gott denn neb em Tod sicher au all die Sücht, wo üs da no plaget, vernichtet ha. Und so wird, nüchtern betrachtet, au öpper wie de Anthony Hopkins das Fest im wahrste Sinn vom Wort i volle Züüg chönne gnüsse. Amen

Liebi Grüess und härzliche Sägenswünsch
zum neue Jahr. B’hüet nech Gott!
Pfr. Ueli Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 03.01.2021     Besuche: 100 Monat
 
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