«Kopf hoch in der Krise!»- Worte zu und nach Auffahrt 21. Mai 2020

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Reformierte Kirchgemeinde Walperswil-Bühl

Auffahrt 2020

«Keine Löcher in die Luft starren»



Liebe Kirchgemeindemitglieder

Das Leben ist voller Veränderungen. Nicht alle sind erwünscht. Die nicht gewollten, unverständlichen, nicht nachvollziehbaren Veränderungen sind besonders gewöhnungsbedürftig. Neue, veränderte Umstände verlangen von uns, dass wir uns auf sie einstellen. Dies gelingt manchen Menschen schneller und besser als anderen. Je grösser eine Veränderung ist, desto schwieriger ist die Umstellung darauf. Zu viel Veränderungen auf einmal oder innerhalb kürzester Zeit können bei uns so viel Stress erzeugen, dass wir damit überfordert sind.
Jesus hat seinen Lehrlingen am Ende seiner Zeit auf Erden einige Veränderungen zugemutet. Die Ereignisse vor und an Karfreitag warfen sie völlig aus der Bahn, gerade auch, weil sie sie nicht wahrhaben wollten und überhaupt nicht nachvollziehen konnten. Ostern brachte dann eine nie für möglich gehaltene Veränderung und wandelte ihre Enttäuschung und tiefe Trauer in Freude und Erstaunen. In der kurzen Zeit danach stellte sich der vorher gekannte Zustand der engen Gemeinschaft mit Jesus allerdings nicht wieder ein. Wenn Jesus kam und ging, war das in der Regel überraschend und veränderte jedes Mal den gewohnten Lauf der Dinge.
Es wird berichtet, dass die Nachfolger von Jesus erwarteten, es werde bald eine ersehnte Veränderung geschehen: die Errichtung der sichtbaren Herrschaft Gottes. Damit verbunden war die Vorstellung von der Befreiung Israels aus den Händen des römischen Reiches und die religiöse Erneuerung des Volkes. Verdrängten die Jünger mit dieser Hoffnung die Furcht vor einer möglichen, aber unerwünschten grossen Veränderung, nämlich die Furcht vor dem von Jesus immer wieder einmal angekündigten Abschied?

Im normalen Leben freuen sich die meisten Schülerinnen und Lehrlinge auf das Ende ihrer Ausbildung. Sie fühlen sich fähig, das Gelernte in die Praxis umzusetzen, und sie sehnen sich danach, auf eigenen Beinen zu stehen und volle Verantwortung für ihre Handlungen und Leistungen zu übernehmen. Nicht alle bleiben im Ausbildungsbetrieb. Viele streben die eigene Selbständigkeit an.
Den Lehrlingen von Jesus, dem Meister des Lebens, scheint es schwergefallen zu sein, in die Eigenständigkeit entlassen zu werden. Als Jesus sich 40 Tage nach Ostern von ihnen verabschiedet und dann vor ihren Augen in die Luft emporgehoben wird, um, von einer Wolke verdeckt, in die unsichtbare, jenseitige Welt zu entschwinden, steht für sie die Welt zunächst einmal still. Sie starren wie gebannt in den Himmel.
Ist es dieser wahrlich nicht alltägliche Abgang, der sie erstarren lässt? Oder warten und hoffen sie, dass sich die Wolke bewegt und Jesus wieder sichtbar wird? So wie wir manchmal warten, dass sich eine Wolke verzieht und die verdeckte wärmende Sonne wieder zum Vorschein kommt?
Die Jünger scheinen sich vom Gewohnten nicht so schnell losreissen zu können. Sie scheinen dem nachzuträumen (und nachzutrauern?), was war. Zwei Engel schrecken sie aus ihrer «Versunkenheit» auf. «Warum steht ihr hier herum und starrt Löcher in die Luft?», sagen sie ihnen sinngemäss. «So wie dieser Jesus von euch gegangen ist, wird er wiederkommen.»
Die Jünger lassen sich durch diese Worte der Engel auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Sie scheinen zu begreifen, dass sie mit ihrem
«in den Himmel Starren» nichts verändern können.
Und so nehmen sie den 15-minütigen Weg zurück nach Jerusalem unter ihre Füsse. Ihnen wird dabei mehr und mehr bewusst, dass ihnen als Lehrlinge von Jesus die Veränderung bevorsteht. Dass sie nämlich den Auftrag bekommen haben, sein Werk fortzusetzen. Seine Zeugen sollen sie sein in der ganzen Welt! Hinausgehen in die weite Welt, um sie zu verändern, indem sie Menschen auf Jesus als den Lebens- und Weltveränderer hinweisen. Wege der Güte, Barmherzigkeit und des Friedens sollen sie gehen und ebnen helfen.
Jesus, ihr Meister, hält sie anscheinend für fähig, diese Arbeit erfolgreich weiterführen zu können. Auch wenn ihre «Lehrabschlussprüfung» wahrlich keine Meisterleistung war. Als Jesus an Gründonnerstag im Garten Gethsemane gefangen genommen wurde, waren sie alle aus Angst davongelaufen. Petrus, der sich für sehr mutig gehalten hatte, verneinte sogar mehrmals öffentlich, etwas mit diesem Jesus zu tun gehabt zu haben.
Und auch noch am Abend des Ostertages verriegelten sie aus Angst die Tür ihrer Wohnung.
Als Jesus vor seiner Gefangennahme drei von ihnen gebeten hatte, zu wachen und zu beten, waren sie stattdessen immer wieder eingeschlafen. Nun aber hat er ihnen erneut aufgetragen, sie sollen wachen und beten. So lange beten, bis sie mit Kraft ausgerüstet werden vom Geist Gottes, um dann ihre Aufgabe wahrnehmen zu können.
Vor der Arbeit also zunächst einmal ein Warten. Nicht, um auszuruhen und auf der faulen Haut zu liegen, auch nicht, um immer wieder einmal sehnsüchtig und erwartungsvoll in den Himmel zu starren. Sondern um zu beten und zu erwarten! Manchmal ist das schwerer als «richtige» Arbeit. «Hände wollen zupacken. Mehr Arbeit ist es, sie zu falten.» heisst es von Ulrich Liedholz unter der Nummer 826 im Kirchengesangbuch.
Jesus fordert also seine Lehrlinge auf zu beten. So wie er als Meister auch viel gebetet hat. Und so wie er ohne Gebet nichts ausrichten konnte, werden auch sie ohne Gebet sein Werk nicht fortführen können.
«Komm, heiliger Geist, und entzünde (in uns) das Feuer deiner Liebe!», singen wir betend im Lied 514 des Kirchengesangbuchs. Und im Lied 515 heisst es in Strophe 5, dass Gott selber da ist, wenn sein Geist kommt und in uns, bei uns und unter uns ist. «Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt», hat Jesus seinen Jüngern zum Abschied mit auf den Weg gegeben.
Unser Leben ist voller Veränderungen. Nicht alle gefallen uns. Manche Veränderungen erwarten wir mit einer Mischung, einem Wechselbad aus Vorfreude und Zweifel. In andere Veränderungen stolpern wir ahnungslos hinein. Ob wir nun durch Veränderungen Vertrautes und Liebgewonnenes verlieren oder Unverhofftes und Ersehntes gewinnen; wir werden in der Regel immer über Zeit verfügen. Es mag ein erzwungener oder ein gewählter «Lockdown» sein, der uns Zeit «schenkt». Es bringt uns nichts, wenn wir dann «Löcher in die Luft starren», Vergangenem nachträumen. Und Erwünschtes vorträumen führt häufig auch zu wenig Konkretem.
Wir werden von Jesus aufgefordert und ermutigt, Zeiten zu nutzen, um zu beten und uns vom Geist Gottes berühren, erfüllen zu lassen. So werden diese Zeiten zum vom Meister des Lebens verordneten «Lockdown», um vom Himmel her angesteckt zu werden. Und um unerwünschte Veränderungen annehmen und positive bewirken zu können. Amen.

B’hüet nech Gott & bliibet zwäg!

Mit liebe Grüess, Pfr. U. Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 21.05.2020     Besuche: 7 heute, 116 Monat
 
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