Krisengedanken 4 Kopf hoch in der Krise! "Fürchtet euch nicht!"

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Reformierte Kirchgemeinde Walperswil-Bühl

«Kopf hoch in der Krise!»- Worte zum 03. Mai 2020
Fürchtet euch nicht …! (Lukas 12,4)


Liebe Kirchgemeindemitglieder

Wir leben nach wie vor in einer ausserordentlichen Situation. Unser Leben wird weitgehend vom Corona-Virus bestimmt. Es prägt auch unser Denken und Fühlen und fordert unseren Glauben heraus. Wir stellen uns Fragen und finden zum grossen Teil keine Antworten.
In dieser Situation fand ich es hilfreich, die letzten beiden Male auf die Ausführungen von Theologieprofessor Matthias Zeindler zurückgreifen zu können zum Thema «Was hat Gott mit dem Corona-Virus zu tun?»
Auch heute nehme ich einen Gedanken dieser Ausführungen auf. Für Matthias Zeindler können wir Gottes Wirken entscheidend im Leben von Jesus Christus erkennen. In dieser Geschichte hat Gott gezeigt, wer er ist. Dies entspricht der weihnächtlichen Verheissung am Ende der Predigt der letzten Woche, wo Jesus «der helle Morgenglanz aus der Höhe» genannt wird, welcher uns Licht bringt. Für Matthias Zeindler hat Jesus wesentlich durch seine Worte gewirkt und durch «seine Predigt den Willen Gottes als Wille zu Frieden, Gerechtigkeit und Liebe geltend» gemacht. Dabei hat er die «Menschen nicht durch Angst und Gewalt gewinnen» wollen, sondern darauf vertraut, dass die einladende Macht der frohen Botschaft bei Ihnen zum Ziel kommt. Gott handelt offenbar im Laufe der Geschichte immer wieder durch sein Reden.
«Im Sprechen behandelt Gott die Menschen als selbständige Partnerinnen und Partner, als vernunft- und verantwortungsfähige Wesen. Durch sein Gebot und seine Verheissungen, durch Zuspruch und Anspruch lädt er sie immer wieder neu ein, in freier Zustimmung in die Gemeinschaft mit ihm einzutreten.»
Wenn Gott entscheidend durch Jesus geredet hat, können wir demnach die ursprüngliche Frage «Was hat Gott mit dem Corona-Virus zu tun?» anpassen und uns fragen: «Was haben die Worte von Jesus mit dem Corona-Virus zu tun?»
Zur Beantwortung dieser Frage wollen wir diejenigen Worte von Jesus in Betracht ziehen, die sich mit dem Thema «Erhaltung und Bedrohung des Lebens» beschäftigen.
«Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?», hat Jesus einmal seine Schüler gefragt. Eine Antwort darauf hat er nicht erwartet und auch nicht erhalten. Denn es ist allen klar, dass wir unser Leben nicht dadurch verlängern können, indem wir uns Sorgen darum machen. Merkwürdig, dass wir es dennoch tun. Obwohl wir wissen, dass es eher zu Magengeschwüren als zu einem längeren Leben führt, wenn wir uns zu fest sorgen. «Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag!», sagt Jesus. Er möchte nicht, dass wir uns ablenken lassen von der Gewissheit, dass wir unter Gottes Herrschaft, seiner (Beg-)Leitung und seinem Schutz sind. Dass wir vertrauen können, dass Gott weiss, was wir brauchen; dass er abschätzen kann, was er uns zumuten kann.

Die ermutigende Aufforderung von Jesus an uns, uns nicht um den Erhalt unseres Lebens zu sorgen, beinhaltet auch den Bereich «Krankheit». «Wer kann sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern?» kann auch so verstanden werden: «Wer kann verhindern, dass er krank wird? Und falls dies eintritt: Wer kann bewirken, dass er sich von seiner Krankheit erholen wird?»
Immer wieder erleben wir es ja, dass Menschen trotz ihrem vorbildlichen gesunden Lebensstil erkranken. Und es geschieht leider auch, dass Menschen trotz guter medizinischer Behandlung und trotz ihres Lebens-willens und ihrer Kämpfernatur von heimtückischen und tödlichen Krankheiten heimgesucht und besiegt werden.
Von daher ist es das Anliegen von Jesus, das Wichtigste zu betonen: Lasst euch nicht den Blick trüben dafür, dass Gott euch wohlwollend, gnädig gesinnt ist, für euch sorgt, über euch wacht. Und dass er euch gerecht spricht, was so viel bedeutet wie: Ihr seid ihm recht; er freut sich, euch in seiner Nähe zu haben. Lasst es von daher euer Bestreben sein, sein Wohlwollen zu suchen, zu erbitten und anzunehmen.

Stehen die Worte Jesu im Widerspruch zu den aktuellen Empfehlungen der medizinischen Wissenschaft und zu den Massnahmen des Bundes-rates? Ermutigt uns Jesus, uns und unsere Mitmenschen in Zeiten einer Pandemie sorglos den Gefahren auszusetzen? Ganz sicher nicht! Das Gebot der Nächstenliebe untersagt uns, «Unheil» zu verbreiten. Wir tun also gut daran, in der aktuelle Krise die Massnahmen und Empfehlungen liebevoll zu beachten und zu befolgen.
Gleichzeitig gilt aber: Wir haben unser Leben trotzdem nicht vollständig im Griff, und der Erhalt unseres Lebens kann nicht das Endziel unseres irdischen Daseins sein, da es von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.

Nichts ist so todsicher wie unser Tod, auch wenn wir die Corona-Krise heil überstehen. Angesichts dieser Tatsache gilt auch uns, was Jesus seinen Lehrlingen gesagt hat: «Fürchtet euch nicht …!» Fürchtet euch nicht vor denen (und sinngemäss: vor all dem), was euch euer Leben nehmen kann! Fürchtet euch nicht vor Menschen (und sinngemäss: nicht vor Tieren, Unfällen, Krankheiten und Katastrophen). Jesus nennt dafür einen einfachen und uns vielleicht etwas schockierenden Grund: «Euer Körper, euer irdisches Leben kann euch zwar genommen wer-den!» Aber niemand und nichts kann euer inneres Wesen und eure Beziehung zu Gott zerstören. Das heisst: Mögt ihr sogar Opfer von tödlichen Krebszellen oder heimtückischen Viren werden, von medizinischen Kunstfehlern oder sinnlosen Raserunfällen, niemand und nichts kann euer Inneres und Gottes Liebe und Treue zu euch vernichten. Sollte es uns da noch verwundern, dass Jesus in den so genannten Endzeitreden sagt: «Ihr werdet von Kriegen hören und Aufruhr, von Katastrophen, Hungersnöten und Seuchen. Aber wenn all dies um euch herum geschieht, lasst den Kopf nicht mutlos sinken. Ich habe euch ja versichert: Nichts und niemand kann eure Gemeinschaft mit Gott zerstören. Vertraut auch inmitten der schweren Zeiten darauf, dass Gott zum Ziel kommen wird mit seiner Herrschaft, und dass ihr dann die endgültige Befreiung erleben werdet hin zu einer ungestörten, ungetrübten Beziehung. Also, Kopf hoch in der Krise!
Ergänzend dazu haben Menschen nach seiner Auferstehung von Jesus und seiner Rückkehr in die für uns unsichtbare Welt folgende Worte von ihm empfangen: «Gottes neue, erneuerte Welt wird kommen, wo kein Tod und kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei mehr sein wird.»

Wir haben uns zu Beginn gefragt: «Was haben die Worte von Jesus mit dem Corona-Virus zu tun? » Wir lassen uns von seinen «Krisenworten» ermutigen: «Fürchtet euch nicht …!» Dieser Zuspruch soll uns befreien. Wir müssen nicht gefangen bleiben im sorgenvollen Kreisen um den Erhalt unseres irdischen Lebens. Wir müssen auch nicht knechtisch verhaftet bleiben in einer Haltung, die das Heil nur im Diesseits und im stetig zunehmenden Wohlstand erwartet.
Jesus ermutigt uns, uns auf die liebevolle, angstfreie Gemeinschaft mit Gott einzulassen und daran festzuhalten. Er ermutigt uns zu einem menschlichen Miteinander, bei dem wir nicht berechnend, sondern grosszügig geben und nehmen. Bei dem wir phantasievoll teilen und (aus-) helfen. Bei dem wir Freude und Leiden teilen, Not lindern und ausgleichen. Und wo wir uns freuen über all die hoffnungsvollen Initiativen und Zeichen der Mitmenschlichkeit, die in der Krise entstehen.

Liebe Kirchgemeindemitglieder,
Bhüet nech Gott & Gring ufe! Mit liebe Grüess, Pfr. Ueli Bukies
(Übrigens: Dass Jesus nicht nur grosse Worte gemacht, sondern mit seinem Leben bestätigt hat, soll Thema der nächsten Predigt sein)
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 03.05.2020     Besuche: 5 heute, 203 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch