Krisengedanken 2 - "Kopf hoch in der Krise"

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Reformierte Kirchgemeinde Walperswil-Bühl

«Kopf hoch in der Krise!»-Worte zum 19. April 2020

Liebe Gemeindemitglieder
Diesmal gibt es keine eigene Predigt, sondern eine Sammlung von Gedanken und Ereignissen zur aktuellen Situation. Den grössten Teil dieser Doppelseite brauche ich für eine Zusammenfassung der Ausführungen von Theologieprofessor Matthias Zeindler zum Thema «Was hat Gott mit dem Corona-Virus zu tun?» Diese Ausführungen finden sich auf der Internetseite der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Für nächsten Sonntag verspreche ich Ihnen, mich mit diesen Ausführungen auseinander zu setzen. Bitte bewahren Sie also dieses Papier auf, zumindest bis zum nächsten Sonntag.

Zunächst eine erfreuliche Meldung: Im März 2020 gab es in den USA nirgendwo eine Schiesserei auf einem Schulgelände! Der Grund: die Schulen waren wegen des Coronavirus geschlossen. Man muss 18 Jahre zurückgehen bis ins Jahr 2002, um einen Monat März zu finden, in dem es keine Schiesserei in irgendeiner Schule des Landes gab!

Ebenfalls erfreulich: In der Corona-Krise werden Stimmen laut und finden Anklang, die vorübergehend einen weltweiten Waffenstillstand fordern. Die Frage sei allerdings erlaubt: warum brauchen wir eine Pandemie, damit solch eine Forderung überhaupt eine Chance hat, Gehör zu finden? Und was wäre, wenn solch ein Waffenstillstand nicht nur vorübergehend wäre? Aber immerhin: die Pandemie bringt uns Menschen auf die Idee, uns nicht weiter gegenseitig umzubringen.

Noch etwas Erfreuliches: der Zivilschutz-Einsatz unserer Armee ist lobenswert. Auch hier sei die Frage erlaubt: könnte nicht ein Teil der Armee dem Zivilschutz zugeteilt und entsprechend ausgebildet werden?
Etwas Bedenkenswertes: Während der Spanischen Grippe im Jahr 1918 waren die Menschen dort besser geschützt, wo die Luft sauberer war, also weniger verunreinigt durch Kohle- bzw. Dieselkraftwerke zur Stromerzeugung.

Etwas gänzlich Unerfreuliches: In Zeiten der Corona-Krise regelt sich das Marktspiel von Angebot und Nachfrage so, dass z.B. Atemschutz-masken bis zu 50 mal teurer werden als vorher. Verantwortliche im Gesundheitswesen berichten von Wildwest-Methoden bei der Beschaffung des benötigten Materials …

Und nochmals etwas sehr Erfreuliches: die Regierungschefin von Neuseeland hat als Zeichen der Solidarität ihren Lohn und den ihrer Kolleg(inn)en vorübergehend um 20 Prozent gekürzt.

N.T. (Tom) Wright, ein bekannter englischer Theologe, hat sich zur Corona-Krise geäussert. Er erinnert uns daran, dass auch ohne Corona-virus Menschen zu jeder Zeit auf unsere Erde unsägliches Leid erleben. Tom Wright empfiehlt uns deshalb, das Klagen und die entsprechenden Klagegebete der Bibel (Klagepsalmen) neu zu entdecken. Und er tröstet uns mit dem Hinweis des Apostels Paulus (Kapitel 8 im Römerbrief), dass der Geist Gottes mit uns und in uns seufzt und klagt, gerade auch dann, wenn uns die Worte fehlen.

Nun aber zu den theologischen Ausführungen zur Corona-Krise von Matthias Zeindler. Er stellt sich die Frage, ob die Schöpfung gut sei bzw. vollkommen gut. Seine Antwort: „Das Bild einer wohlgeordneten Schöpfung, in der alles Geschaffene seinen Platz und zu leben hat, erhält durch regelmässig eintretende Naturkatastrophen tiefe Risse.“ Zeindler bemerkt, dass vor der Schöpfung Chaos geherrscht hat. Gott habe die Schöpfung dem Chaos abgerungen, und sie bleibe vom Zerstörerischen bedroht. Auch ohne Katastrophen stellen wir fest, „dass sich in der Natur immer wieder stärkere Formen gegen schwächere durchsetzen.“ In diesem Kampf auf Leben und Tod hat Gott seine Macht über den Tod in der Auferweckung von Jesus gezeigt. Diese Kraft von Ostern erfahren wir in unserem Leben erst bruchstückhaft, endgültig zum Durchbruch kommt sie in Gottes zukünftigem Reich.
Für das biblische Verständnis der Schöpfung ist auch die Vision des kommenden Friedensreichs in Kapitel 11 des Buches Jesaja wichtig. „Der messianische Herrscher … sorgt nicht nur für umfassende Gerechtigkeit unter den Menschen, er beseitigt auch alles Leid in der Natur: Der Wolf wird beim Lamm weilen, und die Raubkatze wird beim Zicklein liegen. Und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Fressen und Gefressenwerden, das unerbittliche Überlebensgesetz, wird also einst nicht mehr sein, und damit auch nicht mehr die damit verbundenen Ängste und Schmerzen. Die Vision des Jesaja verheisst eine neue Schöpfung, in der kein Leid mehr sein wird.
Das «Gutsein» der jetzigen Schöpfung ist noch nicht das endgültige, das vollendete Gutsein. Das jetzige Gutsein ist verbesserungsbedürftig.
Deshalb, so der Apostel Paulus in Kapitel 8 des Römerbriefes, wartet die Schöpfung «in sehnsüchtigem Verlangen […] auf das Offenbar-werden der Söhne und Töchter Gottes». Die Schöpfung «seufzt» und liegt in Wehen, auf dass sie einmal zu dem werde, was Gott allem Geschaffenen verheissen hat.

Gottes Gegenwart ist „eine verborgene Gegenwart, und ebenso ist sein Handeln verborgen. Aber, und das ist zentral, die Bibel gibt Auskunft darüber, wer der Gott ist, mit dessen Wirksamkeit wir rechnen: der gute Schöpfer der Welt, der Vater von Jesus Christus, der tröstende und belebende Geist.“
„Wir haben Grund, auf die bleibende Treue dieses Gottes zu vertrauen. Wir glauben, dass er seine Schöpfung zur letzten Vollendung in seinem Reich führt. Und wir vertrauen darauf, dass er durch den Heiligen Geist auf dem Weg zu diesem Reich mit uns, seinen Geschöpfen, zusammenwirkt. …
Durch die Auferweckung Jesu hat Gott gezeigt, dass seine Macht der Liebe und der Gerechtigkeit stärker ist als der menschliche Drang zur Gewalt. Und so wirkt dieser Gott fortwährend in der Schöpfung als derjenige, der gegen die Destruktivität Frieden entstehen und aus Bösem Gutes werden lässt.“ Der Sieg über Böses und Tod wurde bereits gewonnen.
Zeindler lässt Dietrich Bonhoeffer zu Wort kommen, welcher in seinen «Glaubenssätzen über das Walten Gottes in der Geschichte», geschrieben während der Nazi-Diktatur!, sagt: «Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.» Zeindler meint dazu: „So sieht ein Vorsehungsglaube aus, der um seine Grenze, vor allem aber um seine Hoffnung weiss.“
Und er schliesst seine Ausführungen ab: Menschen, „die sich auf die biblische Botschaft zu verlassen versuchen,“ vertrauen darauf, „dass die Schöpfung auf dem Weg in die Zukunft von ihrem Schöpfer begleitet bleibt. Und dass dieser Schöpfer auch morgen in ihr wirksam sein wird, wie er es gestern und heute war. In der Offenbarung des Johannes steht: «Ich bin das A und das O, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt» (Offb. 1,8).
Was diese Verheissung für uns bedeuten kann, hat Bonhoeffer so ausgedrückt:
„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

Liebe Gemeindemitglieder
Bhüet nech Gott und liebi Grüess, Pfr. Ueli Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 19.04.2020     Besuche: 3 heute, 220 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch