OSTERN 2020 in Tagen der Krise, Teil 2: Ostersonntag

Jesus und Maria Magdalena im Garten<div class='url' style='display:none;'>/kg/walperswil-buehl/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>832</div><div class='bid' style='display:none;'>15053</div><div class='usr' style='display:none;'>223</div>

JChr.vif- positiv! Einer hat uns angesteckt.

Liebe Mitglieder unserer Kirchgemeinde
Ostern 2020 fällt nicht aus, habe ich vor zwei Tagen geschrieben.
Der Grund dafür sei, dass wir nicht aufhören uns zu erinnern, solange wir leben. Heute möchte ich hinzufügen: Solange wir leben und Leben in uns haben, sind wir ansteckend. Jede(r) von uns ist auf die eine oder andere Art ansteckend. Wir sind fähig, anderen Menschen ein Virus herüber zu husten oder aber «einen Floh ins Ohr zu setzen», z.B. Zwergkaninchen züchten, Gleitschirm fliegen, nach Santiago pilgern oder glauben, eine bestimmte Kosmetik schütze vor Hautfalten.

Von Jesus heisst es, dass er die Idee hatte, er werde den Tod besiegen. So richtig konnte er mit dieser Idee allerdings niemand anstecken, nicht einmal seine grössten Anhänger und besten Freunde. Das waren immerhin Menschen, die an die Auferstehung der Toten irgendwann in der Zukunft glaubten. Viele von ihnen glaubten auch, dass Jesus durch seine Präsenz (vorübergehend) vor dem Sterben bewahren, also unsichtbare lebensverlängernde Massnahmen anwenden könne.
Das Johannes-Evangelium berichtet uns dann, dass Jesus auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit seinen Freund Lazarus, der schon vier Tage tot war, aufforderte, aus dem Grab herauszukommen.
Dass Lazarus dann tatsächlich lebend auftaucht, ist für den Hohen Rat der Juden endgültig Anlass für den Beschluss, Jesus umzubringen. Einerseits sind die führenden Männer neidisch auf Jesus und seine Popularität im Volk. Andererseits befürchten sie nun ernsthaft, dass Jesus bald einmal einen Volksaufstand auslösen könne. Dies wiederum könne die römischen Besatzer dermassen reizen, dass sie dann nicht nur den Aufstand niederdrücken, sondern dazu noch das aufsässige jüdische Volk gänzlich vernichten werden. Die Furcht der führenden Männer, mehr oder weniger Marionetten in der Hand der römischen Besatzer, ist nicht unberechtigt. Und als Jesus ein paar Tage später eine fast clowneske Eselsritt-Nummer bietet, dann aber mit seiner Aktion der Tempelreinigung andeutet, die Hoheit über den Tempel zu beanspruchen, werden sie in ihrer Furcht noch weiter bestätigt. „Lieber ein Mensch stirbt für das Volk, damit es nicht als Ganzes umkommt“, argumentiert der Hohepriester Kajafas. Oder anders und aktueller ausgedrückt: «Wir müssen eine Ansteckung der Masse verhindern, müssen den ursprünglichen Träger isolieren und notfalls vernichten!»

Zu ihrer Überraschung lässt sich Jesus ohne Widerstand gefangen nehmen. Er zeigt sich aber beim Verhör hartnäckig infisziert mit der Idee, er sei der Sohn Gottes. Für die Führenden ist dies ein weiterer Grund, ihn zu töten, nämlich Gotteslästerung.
Anschliessend haben sie es allerdings noch mit der Resistenz des römischen Statthalters zu tun. Pilatus lässt sich nicht anstecken von ihrem Wunsch, Jesus zu töten. Er spielt eine Weile «Katze und Maus» mit ihnen, findet keinen überzeugenden Grund für eine Todesstrafe. Doch dann muss er feststellen, dass die Führenden mit ihrer Mischung aus Neid und Hass das Volk anstecken können. «Lass ihn kreuzigen!», schallt es Pilatus in den Ohren, und er gibt nach. Vermutlich möchte er nichts riskieren, möchte nicht, dass der Kaiser in Rom angesteckt werden und einem möglichen Hinweis Glauben schenken könnte, sein Statthalter in Jerusalem unterdrücke nicht konsequent aufrührerische Ideen. Pilatus gibt also nach, behält aber das Heft in der Hand: gegen den Protest der führenden Juden lässt er über dem Kreuz von Jesus
die Aufschrift anbringen: «König der Juden».

«Anderen hast du geholfen, jetzt hilf dir selber!», rufen die Führenden dann später Jesus zu. «Du willst der Gesalbte Gottes sein, der König von Israel. Steig herab vom Kreuz, damit wir an dich glauben!»
Vielleicht verbirgt sich ihrem Spott doch auch noch ein Fünkchen Hoffnung, es wäre wirklich so.
Aber Jesus lässt sich davon nicht anstecken. Er frischt seine Wider-standskräfte auf mit dem lauten Beten von Psalm 22 und beginnt: «Mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Später im Psalm heisst es dann: «Wer mich sieht, macht sich über mich lustig.» Aber auch: «Seit dem ersten Atemzug stehe ich unter deinem Schutz. Bleib jetzt nicht fern, denn ich bin in Not! Niemand sonst kann mir helfen!» Und gegen Schluss: «Herr, du hast mich erhört! Ich will von dir erzählen: Kein Elender ist dem Herrn zu gering. Er wandte sich nicht von mir ab, sondern hörte auf meinen Hilferuf.» So gestärkt kann Jesus sterben: «Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.»

Bei seinen treusten Anhängern, Schülern und Freunden geht es jetzt nur noch um Schadensbegrenzung. «Wo können wir Jesus noch schnell vor Einbrechen der Nacht (und des Feiertages) würdig beisetzen, damit ihn nicht die Geier fressen oder er verscharrt wird wie ein Hund?» Und am Morgen des dritten Tages fragen sich einige Frauen, die sich ziem-lich gefahrlos in der Öffentlichkeit bewegen können: «Wie können wir ihn jetzt noch einbalsamieren und ihm die letzte Ehre erweisen? Und wer rollt uns den Stein am Grab weg?» Die Männer unter seinen Schülern getrauen sich nicht ins Freie. Sie haben sich alle angesteckt mit dem Virus der Furcht ums eigene Leben.

Den führenden Juden kommt nun wieder die Aussage von Jesus in den Sinn, er werde nach drei Tagen auferstehen. Damit rechnen sie zwar nicht, aber doch mit der Möglichkeit, die Anhänger von Jesus könnten seinen Leichnam aus dem Grab entwenden und dann das Volk mit der Behauptung anstecken, er sei auferstanden. Sie gehen also zu Pilatus, welcher ihnen erlaubt, das Grab Jesu vorsichtshalber bewachen zu lassen.
Und dann passiert trotzdem etwas …
… und die Anhänger und Freunde von Jesus werden sagen:

«Eines Tages kam einer, der hatte einen Schatz in seinem Himmel,
ein Leben in seinem Tode, eine Auferstehung in seinem Glauben.»
(Alois Albrecht, Rise up, Lied 15, Strophe 5)

«Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe.
Einer hat uns aufgeweckt, und das Feuer brennt hell.»
(Eckart Bücken, Rise up- Gesangbuch, Lied 14, Refrain)

Zuerst werden die erwähnten Frauen angesteckt. Denen wird allerdings zur damaligen Zeit das Recht abgesprochen, offiziell andere anstecken zu können. Dass sie es trotzdem können, wird immerhin erwähnt …
Die ersten Berichte zur Auferstehung könnten in einem Lehrbuch über das «social distancing» stehen. Nur Einzelpersonen oder kleine Gruppen kommen da in Kontakt mit JChr.vif.

Die Führenden versuchen zunächst, die Entstehung einer JChr.vif-Epidemie oder gar Pandemie durch Isolation und Einschüchterung der Angesteckten zu verhindern. So werden die Apostel Johannes und Petrus vorübergehend ins Gefängnis gesteckt. Als man merkt, dass man die Ausbreitung nicht wirklich in den Griff bekommt, setzt sich die Haltung durch, die Zeit müsse darüber entscheiden, was mit JChr.vif passiere. Vielleicht werde es ja von allein wieder verschwinden.
Inzwischen feiern wir Ostern 2020. Und wenn wir dabei nicht nur Eier im Garten suchen, sind auch wir vermutlich JChr.vif-positiv und stimmen mit ein:
Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Gesegnete & frohe Ostern, Ihr Pfarrer Ueli Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 12.04.2020     Besuche: 10 heute, 259 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch