Palmsonntag bringt Hoffnung!

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Olivia Newton John beklagt die STARKMENSCH-Herrschaft. Palmsonntag bringt Hoffnung!

Liebi Gmeind

Um das Jahr 30, eine Woche vor dem jüdischen Osterfest, bereitet sich Jesus darauf vor, in die Hauptstadt Jerusalem zu gehen. Er beauftragt zwei Jünger, ein Eselsfohlen zu besorgen. Jesus will damit offensichtlich eine alte Vorhersage erfüllen. Im Buch des Propheten Sacharja war der Stadt Jerusalem, auch Tochter Zion genannt, versprochen worden: «Dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einem Eselsfohlen.» Als er in die Stadt einreitet, breiten seine Anhänger Kleidungsstücke und Palmzweige vor ihm aus. Während sie so vor ihm «den roten Teppich ausrollen», rufen sie: «Gepriesen sei der Sohn Davids! Gesegnet sei er, der im Namen Gottes kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!»
Jesus wagt sich mit seinem Einzug nach Jerusalem bewusst in die Höhle des Löwen. Mit seinem Auftreten als «König der Juden», als Nachfolger bzw. als «Sohn des Königs David» fordert er die Herrschenden heraus.
Zielstrebig begibt er sich in den Tempel, um dort seine erste «Amtshandlung» zu vollziehen. Es ist ja von besonderer Bedeutung, wo und wie diese erste Handlung geschieht. Nicht gerade zimperlich vertreibt Jesus im Tempel die Händler und Geldwechsler und weist nachdrücklich darauf hin, dass der Tempel ein Gebetshaus und nicht ein Einkaufszentrum sei. Dass er den Ausdruck «Räuberhöhle» verwendet, lässt uns annehmen, dass im Tempel nicht einfach nur geschäftet, sondern dabei auch kräftig über’s Ohr gehauen wurde, vermutlich die aus dem Ausland kommenden, gutgläubigen und unwissenden Pilger.
Nach dieser notwendigen «Desinfektion» des Tempels wendet sich Jesus den Bedürftigen zu. Er heilt Lahme und Blinde und lehrt sie die Absichten Gottes. War vor seinem Auftreten das Geschrei der Händler im Tempel bestimmend, sind es nun die Kinder, die mit ihrem Jubel zum Lobe Gottes zu hören sind. Damit erfüllt sich eine zweite Vorhersage. Durch den Propheten Ezechiel hatte Gott versprochen, der Nachkomme des Königs David werde wie ein umsichtiger Hirte handeln, der für die Schwächeren sorgt und sie vor den Starken in Schutz nimmt.
Hier nun regt sich der erwartete Widerstand. Die religiösen Führer werden unwillig, z.T. aus Neid, z.T. wohl auch aus Angst, die römischen Besatzer könnten mit übermässiger Gewalt die mögliche Bedrohung durch den Sohn Davids grossflächig im Keim ersticken. Einige der geistlichen Leiter überlegen, wie man Jesus am besten loswerden könne.

Aber was genau fürchten die Herrschenden? Hätten sie etwas zu befürchten, wenn sie gerecht und weise herrschen und führen würden? Eigentlich nicht. Aber es ist anzunehmen, dass sie ihre Machtposition nicht als Mittel zum Dienst am Volk verstehen, sondern als Privileg, um sich eigene Vorteile zu verschaffen. Sie fühlen sich bedroht durch Jesus, der so entwaffnend und unbedrohlich daherkommt. Und so beschliessen sie zu handeln, wie es die Starken seit Jahrtausenden gewohnt sind und immer noch tun.
Diese Haltung und dieses Vorgehen hat der Sänger Mark Heard 1987 in seinem Lied «How to grow up big and strong» sehr gut beschrieben. Olivia Newton John hat das Lied interpretiert «Big and strong», in ihrem Musikvideo bekommt man allerdings den Eindruck, diese Haltung gäbe es vor Allem unter den so genannten «Naturvölkern». Besser gefällt mir da die Interpretation und die Ergänzung des ursprünglichen Textes durch Rich Mullins (siehe nachfolgend die Übertragung des Liedtextes).
WIE MAN GROSS UND STARK WIRD
STARKMENSCH erwürgt das Universum
und ertränkt die Sterne,
blind von seinem Auftrag der tausend Kriege.
Körperlich fit und überlegen,
ist es kein Wunder,
dass er das Kampfgeschrei liebt.
STARKMENSCH überlebt alle
und setzt dabei fortwährend
kleine Holzkreuze in die blutige Erde.
Körperlich fit und überlegen,
nutzt er jede sich ihm bietende Chance,
und keine Umstände können ihn hindern.
Refr.: Und solange sich die Welt weiterdreht
und der Wind uns umweht,
lernen die Kinder, wie man gross und stark wird.
STARKMENSCH gibt sich nicht mit Gefangenen ab,
und beachtet keine Gnadengesuche,
reisst seinen Opfern das Zahngold aus.
Körperlich fit und überlegen,
steht er über allem,
hat in seiner Sprache nicht das Wort «Liebe».
Refr.: Und solange sich die Welt weiterdreht …
STARKMENSCH zerschlägt den Ackerpflug
und schmiedet daraus ein Schwert.
Im Griff nach der Rose
verflucht er die hinderlichen Dornen,
setzt sich über Himmel und Hölle hinweg
und setzt sich absolut.
Refr.: Und solange sich die Welt weiterdreht
und der Wind uns umweht,
lernen die Kinder, wie man gross und stark wird.

Soweit das Lied. STARKMENSCH findet sich überall, und das wirklich Erschreckende ist, dass diese Haltung von einer Generation zur nächsten übertragen wird. Das Leben wird als Kampf angesehen, als «Überleben der Stärksten» (Survival of the fittest), in dem es darum geht, eigene Stärken einzusetzen und fremde Schwächen (gewissenlos) auszunutzen, um sich um jeden Preis Standorts- und Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und diese zu verteidigen.

In diesem Wettkampf kommt Jesus, der König der Juden, der Sohn Davids, völlig quer daher. Er kümmert sich um die Schwachen und Einfachen, um die auf der Strecke Gebliebenen und um die unter die Räder Gekommenen.
Er möchte die Starken zurückführen an den Ort der Mitmenschlichkeit. Er möchte alle, die Starken und die Schwachen, freisetzen von der Gier nach Macht, Geltung und Besitz. Denn auch die Schwachen kennen diese Gier, auch wenn sie zu wenig geschickt oder skrupellos sind oder ihnen einfach das Glück fehlt dafür, dass sich auch für sie diese Gier erfüllt.

Dieser Jesus lässt sich von seinem Auftrag nicht abbringen. Auch wenn er letztlich einige Tage nach seinem Einzug in Jerusalem klagend feststellen muss: «Jerusalem, du tötest und steinigst die, die Gott zu dir schickt. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln wie eine Henne, die ihre Küken unter ihre Flügel nimmt. Aber ihr habt nicht gewollt!»
Trotzdem hält nichts Jesus davon ab, seinen Auftrag auszuführen und dabei nicht die Haltung von STARKMENSCH zu übernehmen. So zeigt uns der «König der Juden», der «Sohn Davids» die unerschütterliche Liebe Gottes.

STARKMENSCH ist überall, nicht nur in Jerusalem. Und auch die Auswirkungen seines Handelns.
Auch wir sind als Kinder gelehrt worden, gross und stark zu werden. Auch wir pochen auf die Aufrechterhaltung unserer Privilegien und Errungenschaften. Wir könnten noch mehr die Schwachen stärken und sie vor den Starken in Schutz nehmen. Und wenn wir uns fragen, was wir unsere Kinder lehren: ist es nicht immer noch genau das: gross und stark zu sein, dabei möglichst stärker als die Anderen?

Palmsonntag lässt uns innehalten. Da löst Gott sein Versprechen ein, jemanden bei uns einziehen zu lassen,
der uns Geschwisterlichkeit lehrt und uns befreit aus der uns anerzogenen und aus der von uns mit der Zeit selber gewählten STARKMENSCH- Gewohnheit.
Siehe, dein König kommt zu dir, er ist gerecht und hilfsbereit.
Amen? Amen!


Pfr. Ueli Bukies
Kerstin Möri,
Bereitgestellt: 04.04.2020     Besuche: 35 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch