Gedanken zu Ostern


neues Leben <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Tanja&nbsp;Fahrni)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/seedorf/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>55</div><div class='bid' style='display:none;'>15962</div><div class='usr' style='display:none;'>168</div>




Neues Leben

Ein gewaltiges Bauwerk. Aber seinen Glanz hat es verloren. Alles bröckelt,
ist rostig oder schon zerfallen. Jedoch aus der Mitte des Zerbröselnden
wächst eine Birke. Sie arbeitet sich ans Licht. Anfangs waren da nur
ein paar Samenkörner, für unsere Augen nicht sichtbar. Einige Zeit später
war da ein klein wenig Grünes mitten in der Ritze. Da dachten wir uns
weiter noch nichts. Jahr für Jahr war dann aber mehr zu sehen. Erst Blätter
und Zweiglein, die dann zu einer richtigen Birke heranwuchsen.
Jetzt hat sie einen kräftigen Stamm und viele Blüten und Blätter.

Am Anfang war die Ritze. Schlecht für das Haus, gut für die paar Samenkörner,
die ein Windhauch genau in diese Ritze geweht hatte. Samen
lieben Ritzen, um sich dort heimisch zu fühlen. Sie brauchen den Verfall,
um sich dort in Ruhe auf ihr neues Leben vorzubereiten. Zu seiner vom
Schöpfer festgelegten Zeit wird es sich dann entfalten.

Dieses Bild passt in unsere Zeit, in der wir Karfreitag und Ostern zum
zweiten Mal hintereinander in eingeschränktem Rahmen feiern. Scheinbar
oder wirklich zerfällt derzeit manches, was für uns wertvoll und gewaltig
war. Das Leben selbst wirkt zerbrechlicher als sonst. Wir betrauern
das, lehnen uns dagegen auf oder versuchen, es zu verdrängen. Das
tun wir, wenn wir darin nur das Ende sehen.

Mit diesen Gedanken sind wir der Bedeutung des Karfreitags sehr
nahe. Mit dem Tod Jesu zerfällt alles. Für seine Freunde und Anhängerinnen
bedeutet er das Ende all ihrer Hoffnungen. Gott liess das geschehen,
und niemand konnte darin zuerst einen Sinn erkennen.

Erst die Begegnungen mit dem Auferstandenen zeigten alles in einem
anderen Licht. Ostern zeigt das Wunder des neuen Lebens. Es ist nicht
selbst gemacht, sondern eine Gabe Gottes. Aus allem, das zerfällt, kann
es wieder entstehen.

Den Zeitpunkt der Wende bestimmen wir nicht selbst. Aber wenn wir
Zerfallendes sehen, dürfen wir daran denken, dass darin wohl schon der
Anfang von neuem Leben schlummert.

In diesem Sinn frohe Ostern wünscht Ihnen
Pfarrerin Verena Schlatter
Bereitgestellt: 23.03.2021     Besuche: 6 heute, 177 Monat
 
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