Monatsbrief Februar


Liebe Leserinnen und Leser

Wussten Sie, was man mit Gott alles machen kann?
Ja, genau, Sie haben richtig gelesen, Gott lässt sich gebrauchen.

Sie werden jetzt zurecht einwenden, dass Gott unverfügbar ist und wir ihn nicht einfach benutzen können und dürfen. Sie haben recht mit Ihrem Einwand. Aber Sie werden staunen, was wir dennoch immer wieder mit Gott machen:

«Man kann Gott verantwortlich machen für Hunger und Elend. Man kann Gott leugnen, weil er sich nicht sehen lässt und Unglück nicht verhindert.
Man kann Gott mieten zu besonderen Anlässen: Er dient der Feierlichkeit und fördert den Umsatz.
Man kann Gott nur für sich haben wollen und anderen – besonders Andersdenkenden – Gott absprechen.

Man kann Gott für die eigene Macht gebrauchen, indem man sagt, alle Autorität komme von Gott.
Man kann im Namen Gottes Kriege führen, Menschen verdammen und töten und sagen, das sei Gottes Wille. Man kann mit dem Ruf »Gott will es!« Angriffe als »Kreuzzüge« tarnen und auf Soldatenuniformen »Gott mit uns« schreiben.

Das alles aber ist gott-los. Man kann mit Gott nichts »machen«, weder ihn gebrauchen noch ausnutzen, denn Gott ist Liebe, und daran hat nur Anteil, wer diese Liebe in sich selbst gross werden lässt» (1)

(1 Aus Halbfas, Hubertus: Der Sprung in den Brunnen. Eine Gebetsschule, 1985, S. 70f.)

Ich mag diesen Text von Hubertus Halbfas.
Denn er entlarvt mich immer wieder, wo ich mir Gott nach meinen Wünschen zurechtbiege.
Und er zeigt mir auf, dass es verschiedene Arten im Umgang mit Gott gibt. Die eine Art ist, wie oben beschrieben, Gott als Objekt zu benutzen. Gott wird für alles verantwortlich gemacht, wird benutzt, wo er genehm ist und weggestellt, wo er stört. Gott wird gebraucht, um die eigenen Wünsche zu befriedigen und die eigenen Weltbilder oder Machtansprüche durchzusetzen.
Dieser Umgang mit Gott entspricht dem Wesen der Welt. Er reisst nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen und die Natur mit ins Elend.

Eine andere Art im Umgang mit Gott ist, ihn zu suchen und ihm immer mehr Raum im eigenen Herzen zu schenken, bis wir ganz Gott gehören. Diese Vorstellung schreckt im ersten Moment ab und ist uns fremd. Sie widerspricht unserer Vorstellung von Selbstbestimmung und Autonomie. Sie ist aber zutiefst jesuanisch. Die Worte von Hubertus Halbfas helfen, diese Art besser zu verstehen.
Um was geht es? Es geht darum, sich von der Liebe Gottes berühren zu lassen. Es geht darum, sich immer mehr dieser Liebe zu öffnen und aus ihr zu leben.

Was aber heisst das? Gott sagt ja zu mir, er spricht mich an, meint mich, wenn er sagt: «Du bist mein geliebtes Kind.» Aber kann ich diese Anrede zulassen? Was lösen diese Worte bei mir aus?
Ja, wir sind Gottes geliebte Kinder, liebe Leserin, liebe Leser, auch Sie!


Das klingt kitschig, fremd oder frömmelnd. Aber sich von Gott als geliebtes Kind anreden zu lassen und darauf zu vertrauen, dass es so ist, hat eine ungeheure Kraft. Ich gelte etwas. Ich werde gesehen. Gott sagt Ja zu mir. Egal ob ich der grösste Halunke bin oder das frommste Lämmchen. Gott sagt Ja zu mir. Dieses Ja darf jeden Tag nachklingen in mir. In diesem Ja kann ich meine Taten und Werke beleuchten, meine Beziehungen gestalten. In diesem Ja, darf ich meine Wege gehen. Nicht ich mache dann etwas mit Gott, nein er nimmt mich an und stärkt mich. Auf Gottes Liebe kann ich nur mit Liebe antworten. Oder wie es im ersten Johannesbrief heisst:

«Wir haben die Liebe, die Gott uns schenkt, kennengelernt und im Glauben angenommen.
Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe lebt, lebt in Gottes Gegenwart und Gott ist in ihm gegenwärtig.»
(1. Joh 4,16, BasisBibel)


Die Liebe Gottes in sich wachsen zu lassen, ist eine Lebensaufgabe und kein einmaliges Ereignis. Es ist egal, wo ich bei dieser Aufgabe heute stehe, vielleicht stecken geblieben bin. Immer wieder lädt mich Gott dazu ein, weiter zu gehen, mich tiefer auf seine Liebe einzulassen. Er lädt mich ein ihr Raum zu geben in meinem Herzen, damit sie wachsen kann in mir. Wunderbar, nicht? Dieser Liebe dürfen wir vertrauen. Sie gilt uns gestern, heut’ und morgen. Oder wie es Paulus geschrieben hat:

«Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine unsichtbaren Mächte. Nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft. Nichts Über- oder Unterirdisches und auch nicht irgendetwas anderes, das Gott geschaffen hat. Nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt.» (Römer 8,38–39, BasisBibel)

Wie sehen Sie das, liebe Leserin, lieber Leser? Spüren Sie etwas von dieser Liebe Gottes? Ist sie Ihnen fremd? Zweifeln Sie daran, dass Sie es wert sind von Gott geliebt zu werden?
Lassen Sie sich ansprechen von Gott uns seiner Liebe, seinem Ja zu Ihnen und schauen Sie, was es mit Ihnen macht. Vielleicht mögen Sie mir ein paar Zeilen schreiben darüber oder vielleicht rufen Sie mich an, wenn Sie mögen und wir sprechen über das, was Sie an diesem Text bewegt oder vielleicht aufregt, herausfordert.

Ich freue mich von Ihnen zu hören. Nun wünsche ich Ihnen Gesundheit, Geduld und den Mut sich auf dieses Ja Gottes einzulassen.

Im Namen der Mittarbeitenden der Kirchgemeinde und des Kirchgemeinderates
grüsse ich Sie herzlich

Pfarrer Michael Siegrist
Bereitgestellt: 23.02.2021     Besuche: 32 Monat
 
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