Abschiedsgedanken Pfarrerin Ruth Ackermann Gysin

IMG_6061 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Tanja&nbsp;Fahrni)</span><div class='url' style='display:none;'>/kg/seedorf/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>55</div><div class='bid' style='display:none;'>15565</div><div class='usr' style='display:none;'>168</div>




Der Blick aus dem Zugfenster eröffnet ein wunderbares Panorama: Piz Palü, Piz Cambrena.
Wir werden bald die Bahnstation Ospizio Bernina erreichen.

Und zwischen dem Lej Nair und dem Lago Bianco erwarte ich die uralte Tafel, welche die Wasserscheide anzeigt. Das Wasser vom Lej Nair fliesst nach Norden zum Inn und damit ins Schwarze Meer. Das Wasser des wirklich weiss leuchtenden Lago Bianco gelangt über das Puschlav nach Süden und gehört zum Einzugsgebiet des Po. (Adriatisches Meer = Mittelmeer)





Hier ist auch die Sprachgrenze zwischen dem Rätoromanischen und dem Italienischen. Seit frühen Kindertagen erinnere ich mich an diese Tafel und jedes Mal, wenn ich sie passiere, beeindruckt mich ihre Aussage. Nur wenige Meter entscheiden, wohin das Wasser fliesst.

Manchmal sind es nur unscheinbare Ereignisse, welche unsere Wege – auch die Lebenswege in die eine oder andere Richtung lenken – beruflich, ideell oder in Freundschaften. Es kann einen grossen Unterschied machen, ob ein Wassertropfen, ob ein Regentropfen, mehr südlich oder mehr nördlich fällt. Sein Weg kann ganz anders aussehen.
Es ist auch nicht die Frage: Was besser ist! Vielleicht werden wir mit den einen Tropfen in den Bach Bernina gespült. Lustig und fröhlich hüpft das Wasser im kleinen Bach talwärts. Er springt wie ein Kind von Stein zu Stein. Er gurgelt. Er murmelt. Bald nimmt er an Umfang zu. Es kommen andere Bäche dazu, und je nach Jahreszeit ist die Wassermenge gross. Noch bevor er in den Inn mündet, schwillt er mächtig an und zeigt seine Kraft, seine Energie.

Es sind keine einmaligen Richtungsweiser in unserem Leben. Da gibt es ab und zu neue Scheidewege, neue Richtungen, welche gewählt werden können oder müssen.
An einem solchen entscheidenden Punkt stehe ich Ende November wieder einmal. Ich werde meine Aufgaben als Pfarrerin in Seedorf aufgeben. Ich werde keine neue Gemeinde übernehmen – ich werde nach 37 Amtsjahren pensioniert.
Gemeinsame Zeiten, Aufgaben, Engagement haben in den letzten 14 Jahren verbunden.
So waren es für mich reiche Jahre, welche ich mit Menschen aus der Kirchgemeinde Seedorf unterwegs sein durfte, einmal zufällig, dann wieder in einem engeren und verbindlicheren Miteinander.
Ich freue mich über viele Begegnungen sowie über gemeinsam erarbeitete oder zusammen gewagte Wegstrecken. Da ist ein Reichtum zusammengeflossen und manche Verbundenheit gewachsen, für welche ich dankbar bin. Ich danke für das Vertrauen, für die Offenheit, für geteilte Gedanken. Ich bin dankbar für Menschen mit ihrer persönlichen Geschichte, die ich kennenlernen und schätzen durfte. Ich danke für die Anstösse und dafür, dass ich Ideen und eigenen Interessen nachgehen durfte, dass wir zusammen Unbekanntes entdeckt und liebgewonnen haben.
Herzlichen Dank, Euch allen, für die Weggemeinschaft und für Anregungen. Herzlichen Dank für die Unterstützung, welche ich im Rat und der Zusammenarbeit im Team und mit Mitarbeitenden finden durfte, für die Freiheit, meine Arbeit auch immer wieder selber gestalten zu dürfen. Ich habe mich oft gefreut an der Weite und Fülle, welche mir mein Beruf geschenkt hat.
Ende November steht wieder eine solche Scheide-Weg-Tafel an meinem Wegrand.
Und danach fliessen Bäche und Flüsse in unterschiedlicher Richtung weiter.
Doch das Wasser verbindet uns auch. Das Taufwasser und damit der Glaube.
Möge er uns immer wieder Lebensquell, erfrischend, stärkend und erquickend sein – oder mit dem Gedanken aus dem Lesebuch von Dietrich Bonhoeffer formuliert:
Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen, das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht. Mit herzlichen Grüssen und guten Wünschen für Euren Weiterweg.

Pfarrerin Ruth Ackermann Gysin

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Zur Pensionierung Pfarrerin Ruth Ackermann Gysin
Herzlichen Dank und Gottes Segen

Liebe Ruth
Engagiert, refl ektiert, reformiert mit viel Herzblut für Kunst, Geschichte und den Menschen.
So bist du uns in Seedorf begegnet. Begeisterungsfähig, immer wieder nach
neuen Wegen, neuen Künstlern und Geschichten suchend. DANKE für dein Mitteilen.
DANKE für deinen grossen Einsatz. Im November verabschieden
wir dich. Du beendest aber nicht nur die Zeit als aktive Pfarrerin hier in Seedorf, sondern ein neuer Lebensabschnitt als aktiv Pensionierte beginnt. Für diese Weggabelung, deine Hobbies, deinen weiteren Einsatz für die Nächsten und das Pflegen von Freundschaften wünschen
wir dir Gottes reichen Segen. Wir werden dich vermissen.

Herzlich
Silvia Bär, Präsidentin Kirchgemeinde
Bereitgestellt: 01.11.2020     Besuche: 108 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch