Abschied von Teen Bi

Aida sagt zu Absatou: “Jesus liebt die Kinder sehr.”
Absatou, die grosse Schwester, antwortet im Brustton der Überzeugung: “Ja, darum hat es soviele Kinder in Teen Bi.”
Für die letzten sechs Jahre durfte ich die Türen von Teen Bi, einem Gemeinschaftszentrum für Kinder inmitten eines ärmeren Quartiers in Dakar, praktisch täglich weit für die Kinder von Hann Plage öffnen. Wir haben zusammen gesungen, gebastelt, geturnt, Geschichten gehört, lesen geübt, viel Neues gelernt, gespielt, gefeiert und manchmal auch gestritten. Vor allem haben wir zusammen gelernt, was es heisst, dass Gott jeden von uns liebt und jeder einzigartig und kostbar ist. Diese Zeit kommt nun zu einem Ende. Im Frühling 2020 werde ich in die Schweiz zurück kehren. Der Abschied fällt nicht leicht. Kindergesichter und -schicksale werden für immer in mein Herz eingebrannt bleiben. Zum Beispiel die von Bineta und Babacar:

Eine Schaumstoffmatte auf dem Boden eines kleinen, fensterlosen Raums. Ein paar Küchenutensilien und Kleider, die in ein Stofftuch gepackt sind. Möbel gibt es keine. Das ist Binetas zuhause, das sie mit den Eltern und ihrem kleinen Bruder Babacar teilt. Bineta wurde zwei Jahre zu spät eingeschult, da sie keine Geburtsurkunde hatte. So kommt Bineta, die mit drei Jahren mit unserem Kindergarten angefangen hatte, halt noch weiter zu uns. In dem Extra-Jahr lernt sie wohl mehr als in der regulären Schule. Manchmal ist Bineta noch um Mitternacht auf der Strasse anzutreffen. Ihre Mutter, die an der Hauptstrasse Früchte verkauft, hat keine Kapazität, Bineta den nötigen Rahmen zu geben. Babacar, der kleine Bruder, hat sich letztes Jahr arg den Hintern verbrannt. Er ist in die Pfanne mit heissem Sand gefallen, in der am Strassenrand Erdnüsse geröstet werden. Täglich gehe ich vorbei, bringe ihm ein Bilderbuch zum Anschauen und entferne die abgestorbene Haut. Die tiefen Brandwunden heilen erstaunlich schnell. Babacar kommt oft zu spät in den Kindergarten – zuhause ist niemand, der ihn rechtzeitig weckt und auf den Weg schickt.

Darum gibt es Teen Bi – einen sicheren Ort für Kinder wie Bineta und Babacar. Und ein Wunder in letzter Minute ist am Passieren: So wie es aussieht, werden die Türen von Teen Bi nicht schliessen. Eine lokale evangelische Gemeinde möchte die Arbeit weiterführen! Dazu nochmals ein treffender Spruch aus Kindermund: “Was war der Beruf von Jesus?” “Wunder tun!” In der Tat!

Ich möchte an dieser Stelle der Kirchgemeinde Seedorf ganz herzlich danken für eure immense Unterstützung in den letzten sechs Jahren. Für euer Anteilnehmen, Nachfragen und Mitleben, für Abertausende von ‘Tübeli’, die ihr gebacken und verteilt habt, für viele Kollekten und für euer Interesse an den Erzähl-Abenden. Ohne euch wäre Teen Bi nicht möglich gewesen.

Brigitte Schönenberger, Dakar, Senegal


Bereitgestellt: 25.02.2020     Besuche: 255 Monat
 
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