Zehn Sätze zu Integration

Projekt: Friedensarbeit<div class='url' style='display:none;'>/kg/lyss/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>49</div><div class='bid' style='display:none;'>416</div><div class='usr' style='display:none;'>24</div>

Projekt: Friedensarbeit

Kommunikation<div class='url' style='display:none;'>/kg/lyss/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>284</div><div class='bid' style='display:none;'>210</div><div class='usr' style='display:none;'>24</div>

Kommunikation

<div class='url' style='display:none;'>/kg/lyss/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>7</div><div class='bid' style='display:none;'>4</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>

Wenn über Migration gesprochen wird, dann ist Integration ein Begriff, der Hochkonjunktur hat: Von Fördern und Fordern ist die Rede, von Chancen und Risiken, von Rechten und Pflichten, von Anpassung und Vielfalt. Zudem ist Integration auch ein Schlagwort, mit dem Politik gemacht wird – leider nicht immer im Bestreben darum, konstruktive Lösungen für real existierende Probleme zu finden. Dass Integration auch eine Chance und Bereicherung für unsere Gesellschaft ist, geht dabei allzu oft vergessen.
Für die Fachstelle Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn steht der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt, das friedliche Zusammenleben von Menschen mit und ohne Schweizerpass, im Zentrum. Deshalb will die Fachstelle Migration in Erinnerung rufen, was sie unter Integration versteht. Sie will damit zur Klärung des strapazierten Begriffs und zur Versachlichung der Diskussion beitragen.
Die zehn Sätze zu Integration sollen zum Nachdenken anregen und Diskussionen in Gang bringen – mit Einheimischen und mit Zugezogenen. Gerne unterstützt die Fachstelle Migration Kirchgemeinden und weitere Interessierte dabei, entsprechende Projekte und Anlässe zu organisieren.
  1. Integration geht alle an: Jeder und jede Einzelne kann einen Beitrag für ein gutes Miteinander leisten. Integration ist deshalb sowohl für Zugewanderte wie auch für Einheimische eine Aufgabe. Diese Aufgabe muss auf der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene angegangen werden.
  2. Integration ist Zusammenleben in Vielfalt: Integration bedeutet nicht Gleichmacherei. Die heutige Gesellschaft ist multikulturell und multireligiös – und darf es bleiben. Vielfalt ist Normalität geworden. Damit das Zusammenleben in Vielfalt gelingt, braucht es gegenseitige Achtung und den Willen, Unterschiede auszuhalten. Zudem braucht es die Einsicht, dass der Vielfalt an Lebensformen und Traditionen Grenzen gesetzt sind, die alle respektieren müssen. Diese Grenzen sind durch die Bundesverfassung und die geltende Rechtsordnung festgelegt.
  3. Integration bedeutet Veränderung: Integration ist kein Zustand, der erfüllt oder nicht erfüllt ist. Integration ist ein wechselseitiger Lern- und Austauschprozess, der Veränderungen für Einheimische und für Zugezogene mit sich bringt – auf individueller und auch auf gesellschaftlicher Ebene. Veränderungen sind nicht immer einfach zu ertragen. Manchmal freuen sie uns, manchmal fürchten wir sie.
  4. Integration braucht Chancengleichheit: Chancengleichheit festigt den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig. Alle Menschen – Einheimische und Zugewanderte, Männer und Frauen – sollen die gleichen Chancen haben, in der Schule, in der Berufsbildung, auf dem Arbeitsmarkt. Dafür braucht es den Abbau struktureller Hindernisse, die Öffnung der Institutionen und den Willen und die Anstrengung, die gebotenen Chancen zu nutzen.
  5. Integration braucht Akzeptanz: Wenn eine Kultur des Willkommens herrscht, dann fühlen sich alle schneller zu Hause und akzeptiert – an einer neuen Arbeitsstelle, in einem noch unbekannten Quartier, in einer neuen Stadt, in einem fremden Land. Zur Willkommenskultur gehören neben Akzeptanz und Anerkennung auch Information, Orientierung und – wo nötig – konkrete Hilfestellungen für Neuzugezogene.
  6. Integration braucht Begegnungen und Beziehungen: Begegnungen und die Beziehungen, die sich daraus ergeben können, sind das A und O eines gelungenen Zusammenwachsens in der Nachbarschaft, in der (Kirch)Gemeinde, im Dorf oder in der Stadt. Damit wir überhaupt miteinander in Beziehung treten können und die Kommunikation auch im Warenhaus, auf der Strasse und bei der Arbeit klappt, müssen wir uns in der gleichen am Ort gesprochenen Sprache verständigen können.Wenn wir mit offenen Ohren und offenem Herzen aufeinander zugehen, kann Begegnung gelingen und der Rückzug in die Isolation verhindert werden.
  7. Integration braucht Partizipationsmöglichkeiten: Die Gestaltung des Zusammenlebens in gemeinsamer Verantwortung ist dann erfolgreich, wenn sowohl Einheimische wie auch Zugewanderte mitgestalten und mitentscheiden können.Wenn alle Menschen, ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einbringen und sich für das Wohl unserer Gesellschaft einsetzen können, dann gewinnen alle.
  8. Integration bedeutet Anerkennung der vielschichtigen Identität jedes Einzelnen: Jeder Mensch ist eine einzigartige Mischung aus verschiedenen persönlichen, religiösen, kulturellen und sozialen Bezügen. Wir alle – Einheimische und Zugewanderte – sind nicht «entweder oder», sondern «sowohl als auch»: Tamile und Thuner, Muslimin und Schweizerin, Manager und Familienvater, Landwirtin und Christin etc. Identität ist vielschichtig und wandelbar. Das sollten wir anerkennen, statt einander auf einzelne unserer Merkmale wie Kultur oder Religionszugehörigkeit zu reduzieren. Dies führt lediglich zu Vorurteilen, Ausgrenzung oder sogar zu Diskriminierung.
  9. Integration führt auch zu Konflikten: Ziel der Integration ist der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt und das friedvolle Zusammenleben. Dieses Ziel zu erreichen, ist nicht einfach. Konflikte und Diskussionen gehören dazu. Es braucht keine falsche Toleranz. Das schweizerische Harmoniebedürfnis ist oft wenig hilfreich. Viel wichtiger als Einigkeit ist, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Beziehung zueinander treten, dass Austausch- und Aushandlungsprozesse stattfinden und dass sich alle in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen können.
  10. Integration und Religion sind vereinbar: Ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu einer Religion ist kein Integrationshindernis. Zwar kann Religion zur Sackgasse werden, wenn religiöse Gruppen sich abschotten oder die geltende Rechtsordnung missachten. Religion kann aber auch eine Brücke sein. Denn wer die eigenen Wurzeln kennt, kann sich vielfach eher auf Neues einlassen. So wie es Christinnen und Christen hilft, wenn sie sich durch ihren Glauben und ihre religiöse Gemeinschaft getragen wissen, so können auch Islam, Hinduismus und weitere Religionen Menschen dabei helfen, an einem neuen Ort anzukommen, sich zurecht zu finden und heimisch zu werden.
Autor: Michael Schneider     Bereitgestellt: 07.10.2011     Besuche: 12 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch