Aus dem Pfarramt

Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün.
Mich fasziniert es jedes Jahr aufs Neue, wenn mit den ersten warmen Sonnenstrahlen die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, ja förmlich explodiert. Die Schneeglocken sind die ersten kleinen Frühlingsboten, und spätestens wenn die Krokusse blühen geht es richtig los. Dann verstehe ich sie richtig die Lieder und Psalmen und Bibelstellen, die den Schöpfer Gott loben, das Wunder des Lebens, dass jedes Jahr neu aus der scheinbar «toten» Erde wächst:

«Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt. Liebe lebt auf, die längst gestorben schien. Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.»

Es war das zweite Ostern hintereinander, der zweite Frühling, an dem das Leben nicht unbeschwert weiterging. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie schön es wäre, wenn das Leben wieder «normaler» unbeschwerter wäre. Aber wahrscheinlich ist das eine Illusion, Leben ist sicher nie für alle unbeschwert – es sind immer irgendwo in Familien liebe Menschen krank, es sind immer irgendwo Menschen einsam und es sind auch immer in anderen Ländern Menschen nicht frei. Und dennoch finde ich es tröstlich, wenn ich sehe wie neues Leben entsteht, wie das Leben weitergeht. An Ostern ging das Leben weiter, Jesu Leben ging wieder weiter, wie auch unser Leben einst weitergehen wird. Gottes Liebe zu uns geht immer weiter, hat kein Ende.

«Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.»

Pfr. Knut Decker
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