Gottesdienst zu Hause, Auffahrt 21. Mai 2020

colorful-1191017__340<div class='url' style='display:none;'>/kg/grossaffoltern/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>940</div><div class='bid' style='display:none;'>15197</div><div class='usr' style='display:none;'>191</div>

«Jeder Dritte glaubt daran.» Nach dieser Überschrift verspricht der Zeitungsartikel spannend zu werden. Woran glaubt denn jeder Dritte? Terminlich passend könnte da stehen: «Jeder Dritte glaubt an die Himmelfahrt Christi» - das arbeitsfreie Auffahrtswochenende steht schliesslich vor der Tür.
Heidi Federici Danz,
Doch weit gefehlt! Im Zeitungsartikel, den ich gelesen habe, geht es nicht um das, was rund um das Auffahrtsfest geglaubt und gefeiert wird, sondern darum, was in Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie für wahr gehalten wird. Ein Drittel der Befragten einer Tamedia-Umfrage hängt – so der Zeitungsartikel - was die Herkunft des Corona-Virus angeht, falschen Tatsachen oder sogar Verschwörungstheorien an, die einem Faktencheck nicht standhalten.

Was glauben und feiern wir denn rund um Auffahrt? Auffahrt ist das Mauerblümchen unter den kirchlichen Feiertagen: Keine ergreifende Geschichte, keine eingängigen Symbole, keine Lieder, keine Geschenke. Immer weniger Menschen wissen überhaupt noch, worauf sich dieser Feiertag bezieht und geniessen einfach die Gelegenheit für einen Ausflug.

Die letzten Verse des Lukasevangeliums und der erste Abschnitt der Apostelgeschichte erzählen von der Himmel«fahrt» Jesu. Die vierzig Tage, in denen er nach seiner Auferstehung an Ostern noch einmal mit seinen Jüngern unterwegs ist und sie lehrt, gehen zu Ende. Er verabschiedet sich von ihnen und «wird in den Himmel emporgehoben»:

50Und er führte sie hinaus bis in die Nähe von Betanien. Und er hob die Hände und segnete sie. 51Und es geschah, während er sie segnete, dass er von ihnen schied und in den Himmel emporgehoben wurde. 52Sie aber fielen vor ihm nieder und kehrten dann mit grosser Freude nach Jerusalem zurück. 53Und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott. (Lk 24,50-53)

Der Evangelist Lukas bekräftigt, dass Jesus von Gott kommt, indem er ihn erzählend zu Gott, dem Vater im Himmel zurückkehren lässt, wörtlich in den Himmel auffahren lässt.
Das grosse Abschiedsgebet Jesu, das der Evangelist Johannes am Vorabend von Jesu Tod ansetzt, beleuchtet die Himmelfahrtserzählung und unser Nachdenken und Feiern an Auffahrt von einer anderen Seite. Jesus spricht darin von seinem Einssein mit Gott und mit seinen Jüngern und vom gegenseitigen Ineinandersein, worum er dann auch bittet.

20Doch nicht nur für diese hier (die Jünger) bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben: 21dass sie alle eins seien, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, damit auch sie in uns seien, und so die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. (Joh 17, 20-21)

Auf dem Prüfstand steht, ob Jesus, sein Wirken und seine Botschaft im Einklang mit Gott, dem Vater, stehen. Soll «die Welt» daran glauben können, muss sichtbar werden, dass auch die Jünger und mit ihnen alle später Glaubenden in Verbindung stehen mit Jesus und mit Gott, dem Vater und sichtbar wird es daran, «dass sie alle eins seien.» Halten wir diesem «Faktencheck» stand?

Ich muss gestehen, dass mich Einigkeit als Mass aller Dinge nicht begeistert. Wo Menschen zusammenkommen, gibt es unterschiedliche Haltungen, unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Empfindlichkeiten und unterschiedliche Herangehensweisen. Das macht zwar ab und zu Mühe, hin und wieder auch einen schlechten Eindruck, ist aber letztlich auch die Würze in den zwischenmenschlichen Beziehungen und macht die ganze liebenswerte Buntheit der menschlichen Gemeinschaft aus. Und nichts ist so weit von der Botschaft Jesu entfernt, wie Konflikte unter den Teppich kehren, Menschen klein machen, damit sie den Frieden nicht stören, sie mundtot machen, damit der Konsens nicht gefährdet wird.

Der nächste Abschnitt im Johannesevangelium gibt einen Anstoss, wie dieses «eins sein» gemeint sein könnte. Wir können es gedanklich umkreisen mit «ein Herz und eine Seele sein», «im Ein-Klang sein», «sich einigen». Ich verstehe dieses «dass sie alle eins seien» nicht so, dass wir Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu immer gleicher Meinung sein müssen und uns nie streiten dürfen, nie getrennte Wege gehen sollen. Diesem Faktencheck halten wir ganz bestimmt nicht stand! Aber den Einklang mit Jesus und Gott, dem Vater, suchend, streben wir auch den Einklang unter den Menschen an, gehen aufeinander zu, zeigen echtes Interesse aneinander, statt uns billige Toleranz auf die Fahnen zu schreiben, arbeiten die Gemeinsamkeiten heraus, statt das Trennende zu betonen. Zukunftsmusik? Vergangenheitsrauschen? Ja, aber vor allem Gegenwartslied.

Zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Verpflichtung und Verheissung schwebend bittet Jesus weiter für seine Jünger, die er zurücklässt und für alle, die ihnen folgen werden 25…, ich aber habe dich erkannt, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. (Joh 17,25-26)
Amen.

Ihre Pfarrerin
Heidi Federici Danz
Bereitgestellt: 21.05.2020     Besuche: 35 Monat
 
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