Gottesdienst zu Hause 17. Mai 2020

food-22128__340<div class='url' style='display:none;'>/kg/grossaffoltern/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>940</div><div class='bid' style='display:none;'>15175</div><div class='usr' style='display:none;'>191</div>

In einem Comicstrip der «Peanuts» («Erdnüsschen») von Charles Schulz sitzen Franklin und Patty hintereinander in Schulbänken. Patty hält die Augen geschlossen und betet «Oh, bitte. Lass sie mich nicht aufrufen!» Dann nochmals voller Inbrunst: «Bitte, Herr. Ich werde die ganze Nacht lernen, wenn ich jetzt nicht dran komme …» Franklin dreht sich zu ihr um: «Ich dachte, das Schulgebet sei gestrichen im Lehrplan.» Patty darauf: «Diese Art Gebet kann niemand streichen, Franklin!»
«Not lehrt beten.» Dritter Teil.
Heidi Federici Danz,
Nach und nach wurden und werden die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelockert und die meisten von uns können sich wieder freier bewegen und atmen erleichtert auf.
Viele erzählen, wie ihnen «dank» der Einschränkungen während des Lockdowns wieder bewusst wurde, was für sie wesentlich und was unwesentlich ist. Sie hätten es neu schätzen gelernt, dass Wesentliches noch möglich sei: die Spaziergänge in der Natur oder die Gartenarbeit, lesen zu können oder Musik zu hören und auch dass jemand regelmässig für sie einkaufe. Anderes, zum Beispiel der Kontakt mit Angehörigen oder Freunden, wurde hingegen schmerzlich vermisst. Wir haben in dieser Zeit alle neu gelernt, wie sehr auch soziale Kontakte zum Wesentlichen gehören. Gleichzeitig haben wir begonnen, anderes gelassener anzugehen, beispielsweise, ob noch genügend Nagellack in der passenden Farbe da ist. «Peanuts» eben, vernachlässigbare Kleinigkeiten.

Menschen jeden Alters haben sich so in den vergangenen Wochen Gedanken darüber gemacht, was sie wirklich benötigen, was für sie wesentlich zum Leben dazugehört, lebens-not-wendig ist, so dass sie in eine leibliche oder seelische Not geraten, wenn es fehlt.

Die Frage, was zum Leben unbedingt dazu gehört und worum sie Gott bitten sollen, dürfte auch die Jünger Jesu umgetrieben haben, als sie ihn fragten, ob er sie das richtige Beten lehre.

«Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater,
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Das Brot, das wir nötig haben, gib uns Tag für Tag.
Und vergib uns unsere Sünden;
denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird.
Und führe uns nicht in Versuchung.»

(Lk 11,1-4; die bekanntere und ausführlichere Variante steht in Mt 6,5-14)

Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen schliessen wir in die Bitte um das tägliche Brot auch die Bitte mit ein, dass physische Nähe bald wieder vollumfänglich möglich sein möge, ohne einander zu gefährden.

Jesus beginnt sein Modell eines Gebetes allerdings nicht mit dem täglichen Brot und nicht mit der physischen Nähe. Er beginnt auch nicht so, wie wohl die meisten von uns ein Gebet beginnen würden: «Lieber Gott, mach bitte …» oder noch direkter mit der Tür ins Haus wie Patty von den «Peanuts»: «Oh, bitte. Lass sie mich nicht aufrufen.»
Er beginnt nicht mit den – bestimmt zahlreich vorhandenen - Anliegen seiner Jüngerinnen- und Jüngerschar und ist weit davon entfernt, Nabelschau zu betreiben.

Er beginnt mit der Anrede an Gott, «Vater» (und Mutter) und hält mit den ersten beiden Bitten den Blick weit über die Jüngerinnen- und Jüngerschar hinaus auf die ganze Welt. «Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.». Damit sich diese Bitten erfüllen können, ist zwischen Schöpferkraft und Geschöpfen Einklang gefragt und Kooperation.

Liebe, nicht Not, lehrt hier beten.
Und Liebe ist es auch, die bei aller Not den Blick weit hält.

Ihre Pfarrerin
Heidi Federici Danz
Bereitgestellt: 17.05.2020     Besuche: 140 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch