Gedanken zum 1. Sonntag nach Ostern 2020

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Gott macht keine Sprüche;
er schenkt Weisheit, die das
Leben gelingen lässt.
Pfr. René Poschung
Von Anfang an ist die Weisheit dabei, als Gott die Erde schuf. In Ich-Form sagt sie von sich: «Als es noch keine Fluten gab, wurde ich geboren, als es noch keine wasserreichen Quellen gab. Bevor die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren, als er die Erde noch nicht geschaffen hatte und die Fluren und die ersten Schollen des Erdkreises. Als er den Himmel befestigte, war ich dabei, als er den Horizont festsetzte über der Flut, als er die Wolken droben
befestigte, als die Quellen der Flut mächtig waren, als er dem Meer seine Grenze setzte, und die Wasser seinen Befehl nicht übertraten, als er die Grundfesten der Erde festsetzte, da stand ich als Werkmeisterin ihm zur Seite und war seine Freude Tag für Tag, spielte vor ihm allezeit.»
(Sprüche 8,24 - 30)

Die Weisheit inspirierte Gott zu seiner Schöpfung, was man ihr bis heute ansieht, beispielsweise im Spiel der Wolken und im Sprudeln der Quellen. Sie zeigt sich auch in der Abfolge der Zeiten: da gibt es fröhliche Zeiten, in denen man gute Gründe hat, ausgelassen zu feiern, aber eben auch ernste Zeiten, in denen es einem nicht zum Feiern zumute ist, sondern in denen man sich in Zurückhaltung und «social distancing» zu üben hat. Beide Zeiten je zu ihrer Zeit wahrzunehmen
und sich entsprechend zu verhalten, zeichnet weise Menschen aus. Ihre Weisheit dient nichts Geringerem als dem Leben. Sie wehrt, wie momentan gerade erfahren werden kann, dem Tod. Sie ist also nichts Unbedeutendes, das man erstreben kann oder auch nicht, sondern ist wertvoller als Silber und Gold, «besser als Perlen und alles, was man wünschen mag.»
(Sprüche 8,11)

Die Weisheit ist mit der Liebe verbunden. Von König Salomo, dem die verschiedenen Weisheitsbücher zugeschrieben werden, erzählt man sich folgende Geschichte: Einmal kamen zwei Frauen zu ihm. Sie lagen miteinander im Streit, da jede die andere beschuldigte, ihr eigenes Kind im Schlaf erdrückt zu haben, so dass es starb. Anschliessend habe sie es gegen das noch lebende Kind der Wohnungspartnerin ausgetauscht. Da liess Salomo ein Schwert holen, um das Kind in zwei Hälften zu teilen, so dass es auf die beiden Mütter aufgeteilt werden konnte. «Da sagte die Frau, deren Sohn lebte, zum König – denn ihr mütterliches Herz entbrannte in Liebe für ihren Sohn – und sprach: Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht! Jene aber sprach: Es sei weder mein noch dein; lasst es teilen! Da antwortete der König und sprach: Gebt dieser das Kind lebendig und tötet’s nicht; die ist seine
Mutter.»
(1. König 3,26f)

Die Weisheit ist zudem mit Aufrichtigkeit, mit Recht und Gerechtigkeit verbunden. Deshalb trifft man sie im Stadttor an, dort wo die Menschen ihre Differenzen vor Gericht austragen. Sie fordert: «Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt. Geh nicht mutwillig mit jemand vor Gericht, wenn er dir kein Leid angetan hat. Sei nicht neidisch auf den Gewalttätigen und erwähle seiner Wege keinen, denn wer auf Abwegen geht, ist dem Herrn ein Gräuel, aber den Aufrechten ist er freund.»
(Sprüche 3,29-32)

Der Verfasser des Sprüchebuches greift auch zum Mittel der Kontrastierung: in Kapitel 5 warnt er vor einer «femme fatale», die mit ihrer Erotik die Menschen fatal
ins Unglück stürzt. In Kapitel 9 schildert er eine «Frau Torheit», die auf einem Thron vor ihrem Haus auf den Höhen sitzt, dort, wo kanaanäischen Gottheiten geopfert wird. Sie bringt die Vorbeigehenden von ihrem Weg ab. Sie gilt dem Verfasser als unruhig, unehrlich und nichtwissend. Ein Weiser im biblischen Sinne verfügt also durchaus auch über Bildung und Wissen, allerdings ist dieses Wissen kein hochfliegendes, abstruses, sondern ein praktisches, eines, das ganz konkret dem Leben dient, eines auch, das in Gott wurzelt. Darauf verweist folgendes Gleichnis: «Womit ist jemand zu vergleichen, dessen Weisheit grösser ist
als seine Taten? Dieser Mensch gleicht einem Baum, der viele Zweige und wenige Wurzeln hat. Wenn ein Wind kommt, entwurzelt er ihn und stürzt ihn um. …
Womit ist aber jemand zu vergleichen, dessen Taten grösser sind als seine Weisheit? Mit einem Baum, der wenige Zweige hat, aber viele Wurzeln. Selbst wenn alle Winde der Welt kämen und gegen ihn bliesen, könnten sie ihn nicht von der Stelle bewegen.
»(Sprüche der Väter 3,22)

Bitten wir Gott, dass wir werden, wozu uns der Verfasser, - vielleicht ist es gar eine Verfasserin? -, des Buches der Sprüche aufruft: «Werdet weise!»
(Sprüche 8,33)
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