Die Illusion

Blick zum Himmel (Foto: Daniel Wiederkehr)

Liebe Gemeinde,

Ein Aufruf zum Gebet ist mit dem eidgenössischen Bettag verbunden, den wir in diesem Jahr am 19. September um 10 Uhr in der Kirche Aarberg begehen. Seien Sie dazu herzlich eingeladen.
Das Abendmahl wird gereicht und Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen sowie dem Alltäglichen soll unsere Antwort sein. Chorgesang wird die Gemüter erfrischen. - Doch wie viele oder wie wenige werden wohl erscheinen, um miteinander das Brot zu brechen und den Kelch mit dem Saft der Rebe zu teilen an diesem Feiertag, in Gedenken an Jesu Christi Befreiungstat?
Für einen Grossteil der Menschen bleibt es vermutlich eine unverrückbare Illusion, Gebete würden erhört oder sogar vom Himmel her beantwortet. Das Gebet stellt für die meisten eine rein kirchliche oder religiöse Handlung dar und steht im Abseits am Rande weit neben dem Alltagsleben, also ausserhalb des alltäglichen Gebrauchs. Auch der Himmel scheint für viele eine Illusion darzustellen und rein gar nichts mit diesem Erdenleben zu tun haben. Der Glaube an Jesus Christus und den Vater im Himmel wird oft belächelt oder mit einem Schmunzeln toleriert.
Überhaupt scheint Religion und christlicher Glaube mit dieser Welt nicht viel gemein zu haben. In Zeiten mächtiger Verunsicherung und den dunkelsten Angst-Inszenierungen scheint das Religiöse reinste Illusion zu bleiben, weil die Stimme des Heiligen nicht durchzudringen vermag in diesen Zwiespalt und Dschungel der heutigen Tage. - Doch das ist die Sicht vom Menschen her gesehen.
Der Blick vom Himmel her beschreibt eine ganz andere Sichtweise, nämlich: Das Religiöse stellt die einzige Realität dar und ist dem Weltendasein übergeordnet, und das war auch immer schon so. Das Irdische ist Illusion oder Matrizze und einzig eine Ausdrucksform des Himmlischen in dieser materiellen Welt, in der die Menschen Körper erhalten für eine Leihdauer einer Lebensspanne. Paulus hat das auf seiner Reise nach Damaskus erfahren, als seine Augen zum ersten Mal geöffnet worden sind. Das Himmlische ist in uns Menschen verankert, das Irdische hingegen ist nicht von Dauer und kommt schwächlich daher. Die richtige Ernährung lässt unsere irdischen Körper gesunden, doch die Heilung steht in himmlischen Kräften. Die tragenden Säulen unseres Daseins sind in der Gewissheit verankert, dass der Sohn Gottes, des Vaters im Himmel, mit den Menschen eine Zeit auf Erden verbringt, wie ein Hirt mit seinen Schafen und Jungtieren unterwegs auf einem Feld die Herde weiden lässt und dann wieder heimführt in die himmlischen Gärten. Und nur die einzige Sorge treibt sich um: Wie viele gehen verloren auf dieser Welten-Tour, wie viele werden heimkehren?
Vielleicht sind die kirchlichen Gebetsformen etwas veraltet oder haben Staub angesetzt. Doch „Beten“ ist auch ein modernes Zwiegespräch zwischen Mensch auf Erden und Gottvater im Himmel und wenige Worte reichen aus, um das zu erbitten, was man in all den Tagesstunden jeweils braucht. Meine Zuversicht besteht darin, dass das Beten zu einer Selbstverständlichkeit wird und bleibt und zunehmend deutlich sich abzeichnet, - nach einer gewissen Übungszeit -, dass das irdische Leben auf dem himmlischen aufbaut und nicht umgekehrt. Die Routine im täglichen Gebet im irdischen Alltag mit liebevollem Umgang den Menschen gegenüber lässt dann auch die himmlischen Wunder nicht zu kurz kommen.
Und das ist die Bedeutung der Jesu-Worte: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr erbitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.“ (Joh-Evang. 15, 7)

Reformierte Kirchgemeinde Aarberg
D. Wiederkehr, Pfr.


Bereitgestellt: 07.08.2021     Besuche: 114 Monat
 
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