Von der freien Zeit

Die Zeit ist stehen geblieben<div class='url' style='display:none;'>/kg/aarberg/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1143</div><div class='bid' style='display:none;'>15444</div><div class='usr' style='display:none;'>246</div>

„Zeit“ ist dieses unfassbare Ding, das allen Handlungen an diesem „Ort“ auf dieser Erde zugrunde liegt. Wir messen Zeit mit Uhrwerk auf Zifferblatt und lesen sie ab von Zeigerflügeln. Wir haben ein Gespür für Zeit entwickelt und integriert. Und das Resultat bleibt immer dasselbe: Zeit verfliesst und wir altern. Es geht voran und nie zurück und Verjüngung bleibt Traum und Trug.
Im Rückblick verblassen die Formen aus Kindheit, Jugend und Erwachsenenwelt. Nichts aus dieser Vergangenheit vermögen wir zu ändern oder durch andere Erinnerungen auszutauschen. Und Gegenwart steht nie still, sondern dient der Zukunftsplanung. Auch die Zeit im biblischen Verständnis unterliegt denselben Gesetzmässigkeiten. Es sind die Gesetze dieser Welt in dieser Zeit, die wir abschreiten.
Anerkannte Grössen aus Politik und Gesellschaft verordnen Zeitfüller. Da tauchen Begriffe auf wie Freizeit, Arbeitszeit, Schulzeit, Zeit für Hobby und Sport, Familienzeit, Auszeit, Ferienzeit, Friedenszeit und allerlei Begriffshüllen, die uns Menschen ein Gefühl von Beschäftigung vermitteln. Die biblische Welt unterscheidet sich darin, dass einst die biblische Schrift zu einem Abschluss fand. Auserwählte brachten eine Schriftsammlung zustande, eine Art zeitlos-ewiges Dokument, welches als „Bibel“ vorstellig wird. Die Zeitlosigkeit, die darin erscheint, verspricht ewige Gültigkeit.
Heute erkenne ich ein irdisches Streben danach, jede Stunde voll zu machen. Die weltlichen Angebote sind derart reichhaltig, sodass es pausenlos gilt zu entscheiden, womit man und frau sich anreichern. Und es ergiesst sich ein Rennen von einer Beschäftigung zur nächsten, wie ein fragmentarisches Abhetzen. Und die Ruhezeit wird knapp und knäpper. Jüngst habe ich vernommen, dass die Schulzeit mit etwa 200 Jahrestagen unsere Kinder fast völlig in Beschlag nimmt und die Familienzeit zu kurz komme. Von der Arbeitszeit nicht zu sprechen. Prioritäten setzen ist die Herausforderung unseres Jahrhunderts. Ob all der irdischen Beschäftigung zur Existenzsicherung mag wohl manch einem Menschen die Nähe zum Himmel abhandengekommen sein oder in die Ferne gerückt.
Von der biblisch-religiösen Warte aus betrachtet liegt unsere Zeit in Gottes Händen. Unsere Lebenszeit dient dazu, ein weltliches Leben zu führen, fruchtbar und beziehungsvoll, vermehrend und füllend, und einen Blick zu erhaschen auf eine künftige Zeit, die eine himmlische Belohnung enthüllt, wie sie unvorstellbarer nicht sein könnte, und dabei zu lernen, jede Sekunde der eigenen Lebenszeit, - wie immer sie auch angefüllt sein mag -, unter den Schirm des Allheiligen zu stellen, den Mitmenschen ein erträgliches Dasein zu schaffen und Freude sowie Trost zu teilen, oder anders gesagt: Ein Stück Himmel in unser zeitliches Dasein zu ziehen. Das ist die Aufgabe des Menschen in dieser Welt. Und das ist die Bedeutung von: „Und Gott segnete (die Menschen) und sprach zu ihnen: Bringt Frucht hervor und vermehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan …“ (Gen 1,28)
Daniel Wiederkehr, Pfarrer
Bereitgestellt: 21.09.2020     Besuche: 4 heute, 225 Monat
 
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