Erntedank

Erntedank<div class='url' style='display:none;'>/kg/aarberg/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1142</div><div class='bid' style='display:none;'>15379</div><div class='usr' style='display:none;'>246</div>

Die ganze Welt blickt auf ein eindrückliches halbes Jahr zurück, auf eine Zeit, die von grossen Einschränkungen geprägt war. Ganz plötzlich wurde es draussen sehr still, weil wir daheim geblieben sind. Diese Stille abends zum Einschlafen und morgens zum Aufwachen erlebte ich als wohltuend und erholsam.
«Denn so spricht der Herr: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke» lesen wir im Jesajabuch Kapitel 30, Vers 15. Die langen Wochen in den eigenen vier Wänden waren einerseits eine grosse Herausforderung, insbesondere für diejenigen unter uns, die mit dieser neuen Situation alleine zurechtkommen mussten. Andererseits wurden mir aber auch bereichernde Erfahrungen anvertraut, weil der Rückzug ohne viel Ablenkung und mit der geschenkten Entschleunigung ein persönliches Innehalten zuliess, eine Art Umkehr. Sofern es die familiären Umstände erlaubten, konnte also diese Zeit auf ganz persönlicher Ebene genutzt werden, sei es mit einer Rückschau auf Belastendes oder Erfreuliches oder mit einem Ausblick auf unsere Zukunftswünsche. Diese Umkehr zu uns selber, die uns durch die Stille und Ruhe geschenkt wurde, konnte darum als Chance wahrgenommen werden, weil es eine «reinigende» Lebensphase war, die unsere innere Achtsamkeit auf das Wesentliche in unserem Leben lenkte. Herauskristallisiert hat sich dann bei etlichen Menschen die wertvolle Frage, was uns im Leben wirklich wichtig ist.
Im Johannesevangelium Kapitel 15, Vers 16 richtet sich Jesus mit folgenden Worten an seinen Jüngerkreis: «Ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe». Diese Aufforderung von Jesus, Frucht zu bringen, verstehen wir gut, wenn wir einen Blick in die Natur werfen. Einem Obstbaum muss die Zeit des Wachsens und der Entwicklung gelassen werden, damit er seine Reife zum Fruchtbringen erreichen kann. Dieser Prozess erfordert unsere Geduld. Und selbst dann, wenn er reif genug ist, können unglückliche Wetterbedingungen ausnahmsweise das Reifen der Früchte verhindern oder es können – wie heuer bei unseren Apfelbäumen – Ruhezeiten eintreten, in denen sich die Kraft in den Wurzeln sammelt und das Obst ausbleibt. Der Rhythmus des Lebens liegt dem Fruchtbringen der Apfelbäume in unserm Garten zugrunde. So gibt es ertragsreiche Jahre und eben diesmal einen Herbst ohne Kuchen mit den feinen eigenen Äpfeln.
Die Rückschau auf unser Leben weist ebenfalls gute und schlechte Jahre auf, Phasen des Blühens und des Fruchtbringens wie auch der Ruhe und des Kräftesammelns. Die Aufforderung von Jesus, hinzugehen und Frucht zu bringen, verstehe ich nicht als Appell, ständig höchste Leistungen zu erbringen, sondern als Hinweis darauf, dass Gott nichts von uns fordert, was er nicht längst in uns hineingelegt hat. Es geht um die Früchte, die wir bereits in uns tragen. In Zeiten des Innehaltens entdecken wir diese Früchte neu. Darum werden wir durch die Ruhe gerettet und in Stillsein und in Vertrauen liegt unsere Stärke.
Liebe Gemeinde, bald feiern wir Erntedank.
Vielerorts liegt die diesjährige Ernte zwar in finanzieller Hinsicht unter dem erforderlichen jährlichen Leistungsumsatz und die Auswirkungen sind tragisch. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit den Früchten, die Gott in uns gelegt hat, aus diesem letzten halben Jahr im Blick auf die Gemeinschaft unter uns eine gute Ernte einbringen werden, weil wir erfahren haben, dass wir als Gottes Geschöpfe fähig sind, das wirklich Wichtige im Leben zu fördern. Meine diesjährige Konfirmationsklasse zeigt uns auf, was im Leben wirklich zählt. Sie wünscht sich eine gute Heimat mit Liebe, Hoffnung, Freiheit und Frieden. Lassen Sie uns Liebe verschenken, Hoffnung zusprechen, Freiheiten ermöglichen, indem wir einander wenn nötig auch finanziell unter die Arme greifen und lassen Sie uns friedlich neben- und miteinander leben, damit unsere Frucht bleibe, in unserer Heimat und in der Welt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen schöne Septembertage mit Gottes Segen und feinem Apfelkuchen.
Pfarrerin Rahel Vögeli-Siegenthaler
Bereitgestellt: 27.08.2020     Besuche: 248 Monat
 
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