In der Corona-Zeit

Corona – die Krone – dieses Wort hat für uns alle in den letzten Monaten eine Wichtigkeit erlangt, die wir uns vorher nie hätten vorstellen können.
Mit Corona, genauer gesagt mit dem Covid-19, sind so viel Ängste, Krankheit und sogar der Tod verbunden.
Bruno Wyss,
Wir alle haben uns einschränken müssen, je nach Alter und Gesundheitszustand mehr oder weniger.
Wie Sie diese Monate erlebt haben, weiss ich nicht.
Ich selber habe es gar nicht schön gefunden, plötzlich nicht mehr das gewöhnliche Alltagsleben führen zu können. Ich habe meine Söhne vermisst, die ich nun nicht mehr physisch habe treffen können. Meine Verwandten und Freunde habe ich nur am Telefon gehört. Das Einkaufen und das gemütliche, zufällige Zusammentreffen mit Leuten waren nicht mehr möglich.
Und vor allem diese Angst: Was ist das, was uns da so bedroht? Werden wir es überleben?
1986, nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl, hatte ich als Mutter von zwei Kleinkindern ähnliche Ängste gehabt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es wieder einmal eine «normale» Zeit geben würde. Ich habe mich damals – zum Glück – getäuscht.
Und diesmal hoffe ich darum umso mehr, dass wir uns mit diesem Virus irgendwie arrangieren können.
Der Lockdown war schlimm. Aber nicht nur. Ich habe plötzlich die Ruhe genossen. Wie schön war es, die Vögel nicht nur am Morgen singen zu hören. Der Himmel erschien viel blauer als sonst. Ich hatte Zeit wie noch nie, die Natur, im Wald und vor allem in meinem Garten, zu beobachten.
Gespräche mit Leuten «über den Gartenzaun» wurden wichtiger, tiefer. Die Telefongespräche mit lieben Verwandten und Freunden wurden gepflegt. Gemütliche Gespräche mit meiner Familie – dank der Technik konnten wir uns zumindest sehen – wurden ein liebes Ritual. Jede Woche einmal erschienen meine Helferinnen, die mir die Einkäufe brachten. Oft wurde daraus ein langes Gespräch. Der Wirt brachte mir, wenn ich es wünschte, eine Mahlzeit nach Hause. So viel Engagement der jüngeren Generation für uns Ältere – das war eine wunderbare Erfahrung!
Und jeden Tag um 15 Uhr läuteten die Kirchenglocken, die uns innehalten liessen.
Dies und die Predigten, die wir auf der Homepage und auch live, am TV, erleben konnten, gab uns die Zuversicht, dass wohl im Moment kein Gottesdienst vor Ort stattfinden konnte, aber dass die Kirche da ist.
Nein, ich möchte ganz sicher nicht eine zweite Welle erleben. Und ich hoffe, dass wir so vernünftig bleiben, dass dies nicht geschieht. Aber etwas von dieser stillen Zeit im März und April möchte ich hinüberretten: Bewusster leben und die Umgebung – Natur und Mensch – besser wahrzunehmen. Das wünsche ich uns allen.

Margret Krähenbühl, Kirchgemeinderätin
Bereitgestellt: 25.07.2020     Besuche: 124 Monat
 
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