Herbstgedanken

Herbst<div class='url' style='display:none;'>/kg/aarberg/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>1083</div><div class='bid' style='display:none;'>14171</div><div class='usr' style='display:none;'>246</div>

«Wie im Herbst die gefallenen Blätter und Zweige des grossen Baumes von den Wellen des flackernden Flusses hinfort getragen werden, so treiben auch wir langsam durch die Jahreszeiten und Landschaften unserer Leben. Und wie Herbstblätter stets kleine Gruppen bilden und eine Wegstrecke lang zusammenhaften, um dann von neuen Wellen wieder zerstreut und zu neuen Gruppen geformt zu werden, so treffen wir Seelen aufeinander, gehen gemeinsam eine Wegstrecke oder zwei und werden dann von den Wogen der ewigen Vergänglichkeit aufs neue getrennt. Nur manchmal finden wir uns nach langer oder kurzer Zeit wieder, um uns nochmals gemeinsam eine neue Wegstrecke lang treiben zu lassen. Seltener noch reichen wir uns die inneren Hände und begleiten uns auf unserer letzten Wegstrecke, kurz vor der ersehnten Mündung in den mannigfaltigen Ozean der Gemeinsamkeiten, wo das Wasser endlich nicht mehr abwärts fliesst.» (Ronald Zürrer)
«Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet seiner Hände Werk. Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde zu, und eine Nacht meldet der anderen Kenntnis - ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme. Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele» (Aus Psalm 19)

Die Zeilen von Ronald Zürrer beschreiben unser Dasein, unser Leben, unsere Lebensjahreszeiten, die wir durchleben und durchwandern. Streckenweise sind wir mit jemandem unterwegs, wie Blättergruppen, die jetzt im kommenden Herbst vom Wind zusammen fortgetragen werden. Auch die letzte Wegstrecke unseres Lebens wird angesprochen und diese münde dann ein in den mannigfaltigen Ozean der Gemeinsamkeiten.
Ganz besonders die Herbstmonate führen uns Jahr für Jahr deutlich vor Augen, dass die Zeit vergeht. Was eben erst noch blühte, muss langsam verwelken, die Stoppelfelder werden gelb und die Wälder herbstlich bunt, bevor die Winterkälte einbricht. Tag und Nacht, der Lauf der Zeit liege unter Gottes Gesetz, schreibt der Psalmist und dieses Gesetz sei vollkommen und erquicke unsere Seele. Es liegt also alles in Gottes Händen. Dieser Glaube ist ein tragendes Fundament, ganz besonders in belastenden Situationen und auch bei Abschieden von Menschen, die mit uns auf einer langen Wegstrecke unterwegs waren. Himmel und Erde, Tag und Nacht sind Zeugen eines Schöpfers, der sein Gesetz in seine Schöpfung gelegt hat. Zu diesem Gesetz gehört das Kommen und Gehen, der kommende Herbst und unser Treiben durch die Jahreszeiten und Landschaften unseres Lebens.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihrem Weg immer wieder neu auf Seelen treffen, die Ihnen verwandt sind, dass sie Ihnen die inneren Hände reichen und dass der Glaube an Gott Sie stärkt. Zürrers schöne Vorstellung davon, dass wir schlussendlich in einen Ozean der Gemeinsamkeiten einmünden, gibt uns Hoffnung auf einen zukünftigen Frieden untereinander, wo dieser hier auf Erden nicht möglich war. Die christliche Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott, der sich durch Jesus Christus Frieden für seine Schöpfung wünscht, möge uns aber doch bereits jetzt und hier nach Gemeinsamkeiten suchen lassen, damit wir miteinander Wegstrecken gehen können, die für uns alle wertvoll sind. Die Herbst- und Wintermonate zwingen uns wieder vermehrt in die eigenen vier Wände und darum hie und da vielleicht auch in die Einsamkeit. Wenn wir diese kälteren Jahreszeiten mit verwandten Seelen und im Glauben an Gott als Grund von allem verbringen dürfen, leuchtet uns auch in der dunklen Jahreszeit das Frühlingslicht entgegen – und es sprudelt uns eine heitere und wärmende Kunde zu, die unsere Seelen erquickt.
Und dass irgendwann, irgendwo, «das Wasser endlich nicht mehr abwärts fliesst» und dass die Zeit also stillsteht, weil sie ewig ist, wollen wir hoffen. Letztlich aber bleibt Gottes Gesetz für uns Menschen doch unergründlich, ohne Rede, ohne Worte, aber es ist vollkommen. Daran will ich glauben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen gesegnete Herbsttage.
Pfarrerin Rahel Vögeli-Siegenthaler
Bereitgestellt: 27.08.2019     Besuche: 3 heute, 70 Monat
 
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