Alt und Jung

Alt+Jungvogel<div class='url' style='display:none;'>/kg/aarberg/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenregion-aarberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>954</div><div class='bid' style='display:none;'>12831</div><div class='usr' style='display:none;'>246</div>

Ein alter Vater wohnte bei seinem Sohn und der Schwiegertochter. Die zitternden Hände und das schlechte Sehen des alten Mannes machten ihm das Essen zunehmend schwer. Und so rollten Erbsen vom Löffel und verschüttete Milch landete auf dem Tisch.
Der Sohn und die Schwiegertochter wurden mit der Zeit ungeduldig. «Wir müssen etwas wegen Vater tun», sagte der Sohn, «ich habe genug von seinem Zittern, der verschütteten Milch und den Resten auf dem Boden». So stellten sie ihm einen kleinen Tisch in die Ecke des Raumes. Dort sass Großvater nun alleine und da er schon einige Teller zerbrochen hatte, ass er aus einer Holzschüssel. Manchmal sahen sie eine Träne in seinen Augen. Doch trotzdem hatten sie nur Kritik für ihn übrig, wenn er die Gabel fallen ließ, oder ihm Essen herunterfiel.
Der vierjährige Enkel beobachtete alles still. Eines Abends bemerkte der Vater, wie der Kleine mit ein paar Holzresten spielte. Er fragte: «Was bastelst du denn da?» Der Kleine antwortete: «Ach, ich mache eine kleine Schüssel für dich und Mama, aus der ihr essen könnt, wenn ich gross bin.»
Seine Worte trafen die Eltern wie einen Blitz. Erst waren sie sprachlos, dann kamen ihnen Tränen. Am selben Abend noch führten sie den Grossvater zurück an den gemeinsamen Esstisch. Bis zum Ende seiner Tage ass er nun wieder gemeinsam mit der Familie. Und unerklärlicherweise gab es nie wieder ein Wort der Kritik, wenn eine Gabel herunterfiel, Milch verschüttet wurde oder ein Teller zerbrach.
Kommt Ihnen bei diesen Zeilen auch das 4. Gebot in 2. Mose Kapitel 20 in den Sinn? «Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.» Oder anders gesagt: Sorge zu ihnen tragen, auch wenn es manchmal schwierig ist.
Weshalb sollen wir so tun? «Damit du lange lebest im Lande, welches dir der HERR, dein Gott gibt».
Sorgfalt an andern ist mit langem und ich denke auch mit gutem Leben verbunden. Wer andern gut tut, dem wird gut getan. Früher oder später.
Alte Eltern, alte Menschen können für uns Jüngere eine echte Herausforderung, ein Prüfstein sein. Weil wir noch nicht nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, langsamer, komplizierter und manchmal auch gebrechlicher geworden zu sein.
Aber wir können alten Menschen eine starke Schulter bieten und den Rollentausch bewusst vollziehen: früher durften wir anlehnen und wurden von ihnen gestützt, jetzt sollen sie auf uns zählen können und anlehnen dürfen.
Eine Win-Win Situation: ihnen und uns wird Gutes zuteil.

Pfarrerin Marianne Hächler-Hauser

Autor: Bruno Wyss     Bereitgestellt: 18.01.2018     Besuche: 13 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch